|
Mein sehr persönlicher Konzertbericht

Polt-ern mit Biermösl … 19. Juli 2007 Litzendorf bei Bamberg, Sternenfestival
Wenn 2500 Leute (lt. einem Security-Mann) jeden Alters nach Litzendorf bei Bamberg zum Sternenzeltfestival pilgerten, sich also rechtzeitig ihre Karten gesichert haben (ein Zusatztermin konnte leider nicht realisiert werden), kann man sich unschwer die fantastische Stimmung vorstellen, die im ovalen großen Zirkuszelt herrschte. Volksfeststimmung pur. Die Einheizer waren die drei Well-Brüder (Christoph, Hans und Michael Well) aus Hausen in Oberbayern mit dem Toppkabarettisten Gerhart Polt vom Schliersee an Bord. Letzterer sprach im Verlauf seiner unglaublich bizarrkomischen und lachmuskelstrapaziösen Ausführungen z.B. von seinem nichtbayerischen Doppelhaushälftenachbarn, der es bei einer gemeinsamen Grillparty fertigbrachte, Weißwürste zu grillen. Seine Empfehlung, in Biergärten nie aus einem Steinkrug zu trinken, sondern aus einem transparenten Glaskrug, resultiere aus der Erfahrung, dass man da nach einem kräftigen Schluck schon mal in einem unbeaufsichtigten Augenblick die „Auster des kleinen Mannes“ durch die Gurgel langsam nach unten rinnen spürt. Bei seinen sehr bildhaften „Auswurf“-Ausführungen verdrehte es etlichen der Anwesenden den Magen. Er philosophierte in brillanten Monologen über alle möglichen Missstände im Land, wie dubiose Fleischreimporte, Klimaschutz usw. Gegen Ende sang er brutalgrell in Suaheli-Dialekt anmutende Lieder, die die Fans mizusingen hatten oder bewegte seinen Körper dezent zu spanischen Rhythmen. Nee nee, was der 65-jährige bot, war einfach köstlich. Man kann es eigentlich nur unvollkommen beschreiben – das muss man selbst erleben. Gift und Galle, raffiniert valentinesk verpackt. Er spielte sich in einen wahren Rausch. Das gilt auch für die urbayerische Truppe Biermösl Blosn, die noch der echten bayerischen Volksmusik huldigt und alle kabarettmusikalischen Register zog, die eigentlich „un“vorstellbar sind. Der Jüngste der Brüder, Christoph „Stofferl“, überstand tapfer den Abend und krümmte sich öfter vor Schmerzen wegen einer Leistenzerrung, die er sich beim Kartenspielen (wer weiß, oder vielleicht beim Tennis?) zugezogen hatte. Was er auf der Bachtrompete, einer klassischen Flöte, an der Harfe und noch etlichen weiteren Instrumenten in atemberaubender Virtuosität zelebrierte, hätte selbst gestrengen Kritikern klassischer Konzerte ein ungläubiges Staunen ins Gesicht gezaubert. Apropos Instrumente: Ob Bassgeige, diverse Gitarren, rare Exemplare an Ziehharmonikas, Drehleier … toll, was diese kabarettistischen Musikclowns dem begeistert mitgehenden Publikum perfekt darboten. Natürlich wurden auch viele bayerische und bundesdeutsche „Problembär/inen“ süffisant und despektierlich behandelt - ob es um Stoiber, die „Latex-Pauli“, den bayerischen Papst, den Seehofer, Söder oder Schäuble ging. Wie immer bekam die katholische Kirche mit ihren Würdenträgern in Lied und Wort ihr Fett ab. Oder ein größenwahnsinniges Bauvorhaben in Bad Tölz. Oder auch ihr eigenes Umfeld mit dem berühmten engen Kreisverkehr, bei dem die Feuerwehr im Einsatz immer geradeaus über das Mittelteil rasen muss, was dann aufwändige Reparaturen am Fahrzeug verursache. Die Gruppe hatte sich auch hier vor Ort genau informiert und brachte Nachbargemeinden oder die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg mit ihrem Erzbischof Schick humorvoll ins Spiel. Das „Derblecken“ traf immer zielsicher ins Schwarze. Köstlich ihre „Gstanzln“, die manchmal spontan improvisiert wurden, auch wenn sie sich dann nicht immer perfekt reimten. Eine Schuhplattler-Einlage durfte auch nicht fehlen. Musikalische Krönung des Abends war der unvermeidliche Alphornauftritt, bei dem drei meterlange Instrumente einigen Zuschauern auf die Schultern gelegt wurden, nicht weit von uns entfernt. Ein super Sound mit Urlaubssehnsüchten wurde da ins Gehirn projeziert… In der Pause kam „Stofferl“ ziemlich früh wieder auf die Bühne, ich stand gerade davor und lachte. Er: „Warum lachst denn?“ Ich deutete auf das völlig verbeulte Horn, das am Boden lag. Darauf er: „Das war schon im Krieg gegen die Franken dabei“. Apropos Franken. Ein gellendes Pfeifkonzert war die Folge, als die Gruppe diesen Volksstamm wegen ihrer vermeintlich schlampigen Aussprache in die Nähe von Legasthenikern rückte.
Nach netto 2 Stunden und 20 Minuten inklusive mehrerer Zugaben war das Spektakel leider zu Ende. Stofferl schleppte sich zuletzt nur noch humpelnd auf die Bühne. Respekt – wie Polt stets zu sagen pflegt und danke für einen unvergesslichen gar köstlichen Abend
Donnerstag, 19. Juli 2007, Sternenfestival Litzendorf bei Bamberg 23.07.2007
Scharfer Spott und große Kunst - Doppelsatire Im „Sternenzelt“ sangen die bösen Buben der Biermösl Blosn ihre frechen Lieder. Gerhard Polt brillierte mit hintergründigen Soli. 2000 Zuschauer waren begeistert. Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Görtler

Krachlederne Klassik mit Kontrabass: Gerhard Polt (r.) und die Well-Brüder (v. l.) Christoph, Hans und Michael. Foto: Rudolf Görtler
Litzendorf - So viele Oppositionelle kann es in der Region doch gar nicht geben, wie am Donnerstag im „Sternenzelt“ Polt- und Biermösl-Fans saßen. Sollten die Mitglieder und Wähler der Partei aus heiterem, weiß-blauem Himmel plötzlich zur Selbstironie fähig sein? Oder entspannt die Hofnarrenrolle der drei Well-Brüder Hans, Michael und Christoph alias Biermösl Blosn goutieren? Die attackieren seit 30 Jahren die im Freistaat unangefochten herrschenden Schwarzen, legen anarchische Wurzeln vermeintlich biederer Volksmusik bloß und reißen genüsslich die Kluft zwischen Bayern-Klischees und turbokapitalistischer Realität auf. Wieder einmal sangen die mittlerweile gestandenen Männer vor ausverkauftem Haus bzw. Zelt ihr garstig Lied vom angebeteten Tanklöschfahrzeug, vom Swinger-Club im Gewerbegebiet mit Kruzifix in jedem Kammerl und natürlich von der Partei, der die drei in innigster Hassliebe nahezu symbiotisch verbunden sind.
Ein Biermösl-Konzert kann gar nicht schlecht sein; man hat die Brüder jedoch schon in besserer Form gesehen. Vor kleinerem Auditorium fühlen sie sich wohl wohler. Vielleicht ist in all den Jahren die Rolle der bösen bayrischen Buben zum routinemäßig übergestreiften Kostüm geronnen. Dennoch sind ihre Lieder, die einen all die Jahre vom Franz Josef über den Max bis zum Edmund und bald dem Günther begleitet haben und begleiten werden, erstklassige Unterhaltung. Zu schön auch etwa die Edmund-Passion über den Schau-Scheiterer, aus dessen Darm sich sogar ein Markus Söder klammheimlich fortstiehlt. Kongenial in Moll musiziert von den versierten Multiinstrumentalisten. Sie verändern nichts, das wissen die Brüder selber, aber sie haben’s wenigstens gesagt. Und das viel lustiger als die traurig-verbissene rot-grüne Opposition. Musikalischer sowieso, wie mehrere Klassik-Instrumentaleinlagen beweisen.
Dass er nichts verändert, weiß auch der geniale Gerhard Polt, im Mai 65 Jahre alt geworden. Vermutlich kommt es ihm auch gar nicht darauf an, sondern auf die Produktion großer Kunst. Polt ist kein „Comedian“, kein Kabarettist; er ist ein Sprach-Künstler und völlig zu Recht z. B. mit dem Jean-Paul- oder aktuell dem Karl-Valentin-Preis ausgezeichnet worden. Dem Valentin ist der reife Polt ebenbürtig, ja in den eingesetzten Mitteln überlegen. In seiner Rollenprosa entstellt der Künstler den Klein- und Spießbürger zur Kenntlichkeit, seziert den unter der biedermännischen Haut lauernden Faschismus. Da findet der gemütliche Kulturbeamte, dass zu grünen Matten Negerschwarz einfach nicht passt, gell!, oder er schweift ab zur dritten asiatischen Frau des Hinterleitner Rudi, die schön anzuschauen ist, aber einfach nicht haltbar. Jeder Figur ordnet Polt einen eigenen Sprachduktus zu, ein virtuos variiertes Gebräu aus Dialekt und Anglizismen, aus halb verdauten Fremdwörtern, Satzfragmenten und Scheinversprechern.
Höhepunkt ist das furiose Crescendo eines über die Zeitläufte, die in Berlin und da oben lamentierenden Kleinbürgers. Konsequenz der Tirade: keine. Wie wenn Horkheimer/Adornos autoritär strukturierter Charakter auf der Bühne stünde. Aber das tut er Gott sei Dank nicht, sondern ein in der Zugabe im Fantasie-Suaheli krakeelender Polt. Man verlässt beglückt das Zelt, am selben Tag ist Beckstein zum Ministerpräsidenten nominiert worden. Alles unverändert.
5. August 2004 - aus Tegernseer Zeitung (Münchner Merkur)
Polt und Biermösl Blosn: Kampf den "Großkopfatn"
Kabarettisten präsentierten Kommunalpolitikern die Rechnung
VON TOBIAS ÖLLER Waakirchen
Da mögen sich die "Großkopfatn", Landräte, Bürgermeister,
Provinzpräfekte jahraus, jahrein in Bierzelten tummeln und ihre segensreichen
Wortbeiträge ans niedere Volk richten - wenn Gerhard Polt und die
Biermösl Blosn jene Bühne betreten, bekommt der Landadel die
Rechnung präsentiert. Mit dieser revolutionären Sprenglast,
die den Respekt vor Amt und Würden mit dem Donnerhall der bissigen,
weil ach so realistischen Satire hinwegfegt, zeigten die Volksbarden von
der Familie Well gleich zu Beginn ihres Gastspiels im Festzelt des örtlichen
Sportvereins in Waakirchen, wer der Herr im Hause ist. Oder vielmehr:
Wer es an jenem lauen Sommerabend nicht ist.
Der Landtagsabgeordnete Jakob Kreidl, "herausragend, wenn er zwischen
zwei Gartenzwergen steht" - nein, der nicht. Und schon gar nicht
das Oberhaupt der Nachbargemeinde: "... der Bürgermoasta von
Preysing verkehrt bloß no beim Schörghuber hinten drin."
Die Demut vor Staat und Partei wurde schnell abgelöst von der Ehrfurcht
vor der musikalischen Allgewalt des Dreigespanns, das von Harfe, Trompete,
Akkordeon, Tuba und Flöte ebenso virtuos Gebrauch machte wie von
Dudelsack, Drehleier und Alphörnern.
Trotz dieses eindrucksvollen Waffenarsenals im Kampf um die Befreiung
der bayerischen Volksseele zählte nicht zuletzt die A-Capella-Andacht
zur jüngeren Geschichte des Deutschen Ordens ebenso wie die gesungene
Beisetzung eines hohen Justizbeamten zu den Höhepunkten im mitreißenden
Programm der Biermösl Blosn. Nicht zu überhören waren die
aktuellen Anklänge an die durchaus schwierigen Lebensumstände
jener Familie, deren Oberhaupt einst die Zielscheibe par excellence für
die Sticheleien der Well-Buam bildeten. Der böse Volksmusik-Finger
legte sich zielstrebig in die Wunden von Max Strauß und Ministerschwester
Monika Hohlmeier, die zur Vermutung Anlass gab, "dass an bayerischen
Schulen als Hauptfach Erpressung eing`führt werd". Eine für
lange Wegbegleiter überaus viel sagende Neuauflage des Biermösl-Klassikers
"Bist aa do" rückte Arnold Schwarzenegger in die verwandtschaftliche
Nähe der Primaten, den Huber Erwin samt CSU-General Söder hingegen
an den rektalen Eingang des Ministerpräsidenten. Gedichtet hatte
man jene Verse einst für Tandler und Strauß senior - der Stoiber
Edmund kann`s als Kompliment nehmen.
Die verbale Offensive zwischen den musikalischen Attacken übernahm
der Altmeister des bajuwarischen Brachialkommentars gleichfalls mit bahn-
und barrierebrechender Inbrunst, zumal dem hörigen Fan alle Monologe
schon von den veröffentlichten Tonträgern her bekannt waren.
Trotzdem: Gerhard Polt live ist und bleibt eine explosive Mischung aus
Stammtischphilosoph und moralischem Attentäter, wenn er mit Gelassenheit
ausspricht, was Mensch denkt und nicht zu sagen wagt. Er schlüpft
in die Rolle des Konservators, des Exilanten und des Angeklagten, aus
jedem Wort spricht die animalische Ehrlichkeit des Freaks, der sich zuweilen
Bayer schimpft. Seiner wutspeienden Ausführung zum Thema "Toleranz"
kann sich der Zuhörer ebenso wenig verschließen wie vor der
tiefsinnigen Dialektik, wenn es um Menschlichkeit im Großen, Ganzen
und Speziellen geht: "Wenn ein Nichtschwimmer ersäuft, dann
ist das nicht tragisch sondern konsequent."
Samstag, 24. April 2004, 19.30 Uhr in Memmelsdorf bei Bamberg, Seehofhalle:
Weit über 1000 Blosn-Fans drängen sich in der Seehofhalle, darunter
auch wir ...Nach unserer ersten Livebegegnung 1987 endlich wieder eine
Gelegenheit, sich den "Well-Buam" auszuliefern. Und sie versprühten,
wie nicht anders zu erwarten, wieder ein musikalisches und rhetorisches
Feuerwerk vom Feinsten. Erst die 4. Zugabe nach 2 1/2 Stunden und Warnungen
("Ihr wollt's doch alle in die Frühmess?") entließ
die enthusiastischen Fans dieser wohl einmaligen bayerischen Brüdergruppe
aus Günzlhofen ("zwischen München und Augsburg") -
zur Frühmesse ...
Ihre Musikalität zeigte sich im perfekten Beherrschen von zum Teil
exotischen Instrumenten, wie einer Harfe, Jagdhorn, Bachtrompete, Drehleier,
Alphörner neben üblichen Musikinstrumenten wie Gitarre , steierisches
Akkordeon, Saxophon usw. Natürlich durfte auch die "Goaslschnoizn"
nicht fehlen, die drohend über dem Publikum ihr peitschendes Geräusch
entfachte und deren Seil nach einigen Versuchen (unfreiwillig) ihr Leben
lassen musste. Und selbst ein Klingelbeutel (für Kirchgänger
in der katholischen Kirche ein Begriff!) mit einem ausfahrbarem Teleskopstil
durfte nicht fehlen, in den freiwillige Spenden ("bitte nur Scheine")
eingeworfen werden sollten - als Reminiszenz, wie es halt im Mittelalter
zuging, wenn die Drehleier erklang ...
Was immer wieder verwundert, wie gut sich die drei vorher über örtliche
Gegebenheiten informieren. Die Bewerbung Bambergs zur Kulturhauptstadt
Europas durfte da nicht fehlen ("Wir hom in der Stadt ka Kultur gfunden,
nur Schrotthaufen" > anspielend auf die derzeitige Ausstellung
mit aus Schrott kreierten Kunstwerken des Schweizers Luginbühl, die
vom Bamberger Künstlerhaus in die Stadt gebracht wurde) oder der
joggende Erzbischof Ludwig Schick, der superenge Kreisverkehr beim Mediamarkt
usw.
Beklagt wurde auch, dass das Kammerfensterln, eine oberbayerische Spezialität,
die Auserwählte heimlich über eine angelegte Leiter im Obergeschoss
zu "besuchen" in Oberfranken nicht mehr möglich ist, weil
die Häuser zu niedrig seien und man gleich so an die Dachrinne gelangen
könne. Manche Oberbayern schauten auch etwas "gestaucht"
aus, weil sie von den Vätern von der Leiter heruntergestoßen
wurden, wenn die Tochter vor dem "aufsteigenden" Liebhaber bewahrt
werden sollte. Bestes Beispiel für ein Opfer sei dafür F.J.Strauß
gewesen (...weil der Kopf ohne Hals direkt zwischen den Schulern saß
...).
Neben der bayerischen Staatsregierung samt Justizministerium bekam auch
die katholische Kirche ihr "Fett" ab. Aber auch die Wähler
im Freistaat: Da müssten Lehrer, Beamte auf Anordnung von Stoiber
länger arbeiten, alles werde gekürzt und bei der nächsten
Wahl bekäme die CSU statt der üblichen 60 % dann halt nur 59
%. Mit der juristischen Abteilung der Warsteiner Brauerei fechten die
Biermösl seit längerem eine Privatfehde aus, da deren liederhaft
vorgebrachte Kritik auch nach mehrmaligen "Verbesserungen" nicht
von der "Brewery" abgesegnet wurde. So las Hans den kompletten
Schriftverkehr zur Erheiterung der Anwesenden vor. Manchmal hört
halt beim Bier der Spaß auf! Der jüngste der Brüder, Christoph,
fiel nicht nur wie seine Brüder durch die eingangs angedeuteten atemberaubenden
instrumentalen Virtuositäten auf, sondern auch durch eine manchmal
an seinen Namensvetter, den Comedianer Michael Mittermeier erinnernde
Humorigkeit. Sehr aktuell war ihre quasi Uraufführung einer neuen
EU-Hymne. Dass sie fast klassisch singen können, bewiesen sie zum
Schluss bei einem Madrigal. Nein, es war ein Abend, wie er nicht besser
hätte sein können. Wer die (ober-)bayerische Sprache ein bisschen
kennt, sollte unbedingt bei einer sich bietenden Gelegenheit diese Unikate
erleben. Note Eins mit Stern!!!
Gerd Müller
Die nachfolgende "offizielle" Kritik zum Auftritt zwei
Tage zuvor kann sicher im Großen und Ganzen auch auf ihre "Show"
in Memmelsdorf übertragen werden.
Fotos: © Gerd Müller
Donnerstag, 22. April 2004, 20.00 Uhr in Forchheim,
Jahnhalle - Rezension der Tageszeitung "Fränkischer Tag"
vom 26.04.04:
Wellness
pur in der Jahnhalle
Schuhplattler und Alphörner gemischt
mit Sarkasmus und Spott - von
Josef Hofbauer
Forchheim. Das war wellness pur, was die Gebrüder Hans,
Michal und Stofferl Well, bekannt als die Biermösl Blosn zum Auftakt
der neuen Saison des Jungen Theaters Forchheim in der brechend vollen
Jahnhalle ablieferten. Ein Paukenschlag, wie es Wolfram Welzer bei der
Begrüßung formulierte.
Die ersten Lacher ernten die drei Günzlhofener, als ausgerechnet
sie den Forchheimern die Grüße der bayerischen Staatsregierung
überbringen, nachdem sie das Schicksal dorthin verschlagen hat, wo
jeder Weg nach Schirnaidel führt, wo sie einen Mordsdrumm Busbahnhof
ham aber koane Busse und wo der edle und freie Oberbürgermeister
Stumpf der Größe ist wenn er zwischen zwei Gartenzwergen
steht. Kein Zweifel. Die drei von der Biermösl Blosn haben sich ortskundig
gemacht. Sie rühmen den Eggolsheimer Spargel und regen an, Gößweinstein
nach dem Einzug der polnischen Mönche umzubenennen. In Gozwinice!
Zunächst aber um Verständigungsproblemen entgegenzuwirken
gibt es einen Grundkurs in vergleichender Bavaristik. Es geht um
den Brauch des Maibaumstehlens. Maytree hunting übersetzt
Stofferl, damit es ja alle kapieren. Und im Eifer des Gefechtes kann es
da schon mal vorkommen, dass die Burschen aus Hausen (es konnte auch das
im Landkreis Forchheim sein) aus Versehen statt eines Maibaumes einen
Telekom-Sendemasten klauen.
Was wo hi
Die Brüder Well erzählen aber nicht nur vom Vereinsleben zu
Hause, das sich von dem in Forchheim nicht wesentlich unterscheidet, außer
durch den Golfplatz, von dem später noch die Rede sein soll. ©
Hier in Forchheim machen sie erst einmal deutlich, was zamm ghert (zusammen
gehört) bzw. was wo hi ghert. Und da steht für die Biermösl
Blosn fest, dass die neue Sparkassengebäude in den Glaskontainer
und Tucher und Warsteiner in den Castor Behälter gehören. Und
sie reimen in ihren Gstanzln weiter: Zu Forchheim ghört die Regnitz
und vom Edi Nöth im Landtag ham ma ghört, der red`t nix.
Über zwei Stunden verwursten die mit dem Kabarettpreis des Bayerischen
Fernsehens (!) ausgezeichneten Brüder bayerisches Liedgut mit Politsarkasmus,
Spott und bitterböser Ironie. Dabei erweisen sich die drei Männer
auf der Bühne als wahre Musikvirtuosen. Die Bandbreite der Instrumente,
die sie beherrschen und einsetzen reicht von der Harfe über die Tuba
bis zur Okarina, von der Drehleier (gegen das Tucher Bier hilfts nix)
bis zur Okarina, dem Dudelsack, der Diatonischen und dem Alphorn.
Aber auch Brummtopf und Zither beherrschen die Well Brüder. Damit
untermalen sie ihre Geschichten vom Kreissingen, dem Kreisspritzen (hinter
dem Zelt) und dem Kreisverkehr (ebenfalls hinter dem Zelt).
Sie nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Hauptzielgruppen sind seit eh
und je die Bayerische Staatsregierung (Edmund der Heilige) und der Vatikan.
Die politischen Anarchisten berichten staunend, dass es immer noch eine
Minderheit geben soll, die partout nicht zur Mehrheit gehören will.
Dabei hat doch jede Minderheit das Recht, sich einer Mehrheit anzuschließen,
oder?
Und deshalb lassen die drei auf der Bühne ihr Publikum nicht im Unklaren,
dass sie wissen, wer am Sonntag nicht in die Kirche geht, oder immer die
Löcher vom Golfclub zuscheißt. Und wer brandschutzmäßig
unterversichert ist....
Dem Spott der Drei entgeht auch nicht der Pfarrer, der die größte
Schüssel auf dem Dach hat, weil er eine unbefleckte Empfängnis
will und der Kaplan (50), den der Herr Pfarrer übers Internet kennen
gelernt hat und der mit Raver-Messen und Techno-Gottesdiensten die verlorene
Jugend in die Kirche zurückholen will.
Nach der Pause singen die Well-Brüder von der Jagd mit dem Chefarzt
in Lodentracht, dem Weihbischof mit der Kalaschnikov und dem Kampf um
den Patienten, der wegen der Gesundheitsreform ausgebrochen ist. Michal
und Stofferl schuhplatteln und alle drei überraschen mit einer volkstümlicher
Klassik und Stubenmusi, die plötzlich zur Jam Session wird.
Das gilt auch für ihren Auftritt mit den Alphörnern, die plötzlich
so gar nicht alpenländisch klingen. Und auch der Heimatpfleger bekommt
sein Fett weg. Bei uns ist jeden ersten Montag im Monat ein Kurs
im Fensterln erklärt Stofferl. Der heißt Windows
opening. Ihr könnt euch dafür einschreiben. Und
Bruder Hans erklärt, dass Fensterln eigentlich die Vorstufe des free
climbing ist und die katholische Religion dafür verantwortlich zeichnet,
dass daraus das Bungee jumping entstand. Nur ohne Bungee...
Die Well Brüder preisen die Segnungen des Handys über den Tod
hinaus und rufen die Bedeutung der Bauernregeln in Erinnerung. Zum Abschluss
zeigen die OberBayern mit dem Lied Bist aa doo noch
einmal, was sie von ihrer Staatsregierung halten. Da wird der Arschkriecher-Neuling
mit den Worten begrüßt: Bist aa do, bist aa doo, dort
hinten im Zwölffingerdarm, da tagt des Kabinett. Nett, oder?
|