Gerhard Polt- Info


Polt als Papst, köstlich ... (mit Biermösl Blosn)



* 7. Mai 1942



Bücher (Auswahl)

Eine Vielzahl der Bücher und CDs von Gerhard Polt sind im renommierten Kein & Aber-Verlag erschienen.

Hier der Link (> Autoren > Polt)

DVDs (Auswahl)


... und es gibt noch mehr. Eine gute Gesamtübersicht bietet amazon.de oder die Pages von G. Polt/Biermösl Blosn



 

 

 

 

 

 




Seine Homepage (üb. Biermösl...)

Zum besseren Verstehen,
so eine Art Vita


Buchbeschreibung Circus Maximus/Polt

Amazon-Komplettübersicht der Publikationen


Seine Fernsehsketche

Polt-News ... Polt-News ... Polt-News ... Polt-News ...

Diese drei CDs können einfach uneingeschränkt empfohlen werden. "Eine menschliche Sau" enthält folgende Live-Stücke:
Der Konservator, Unternehmer des Jahres, Eine menschliche Sau, Mein schönstes Weihnachtserlebnis, Ein Europäer, Transparenz, Der Kormoran (Liveaufnahme aus dem Gasthaus Weilachmühle in Thalhausen). Die Amazonkritik ist gemischt:
Mehr ... . Poltfans bilden sich natürlich eine eigene Meinung und werden nicht enttäuscht!
Infos zur "Hundkrüppel-CD" unter dem Motto: "Ich hab drei Stinkbomben, wo schmeiß ich die hin?" Witzig, archaisch und poetisch. Gerhard Polt berichtet live von seinen Lehrjahren als Übeltäter. Mit musikalischen Streichen von Christoph Well (Biermösl Blosn). Über amazon: Mehr ...
"Geht in Ordnung": Mehr ...


Zu dieser DVD von Polt/Biermösl Blosn schreibt ein amazon-Rezensent:

"Mit "Bayern Open" ist ein ganz besonderes Gustostück auf den Markt gekommen. Zu sehen ist eine Aufzeichnung von 1996 aus den Münchener Kammerspielen, in der Gerhard Polt zusammen mit der Biermösl Blosn auftritt. Man wundert sich, weshalb es 10 Jahre dauerte, ehe dieser Bühnenauftritt einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde, ist aber ob der rar gesähten Möglichkeiten, Polt live zu erleben, dafür dankbar.
Ein echtes Schätzchen wurde da ausgegraben, denn was man zu sehen und vor allem auch zu hören bekommt, ist allererste Sahne. Legendär sind Stücke wie "Bad Hausen", "Longline" oder "Die Menschenfresser". Richtig gut wird der Auftritt aber durch die Darbietungen der Ausnahmemusiker von der Biermösl Blosn. Wie begnadet dieses Trio ist, manifestiert sich z. B. an "Stoffel", der bei diesem Gig nicht weniger als sieben verschiedene Instrumente spielt. Das ist Musik von höchstem Niveau, gepaart mit teils extrem bissigen Texten.
Die DVD kommt recht unspektakulär daher. Sprich also ohne Bonusmaterial und leider auch in einer eher bescheidenen Tonqualität. Allein der Inhalt rechtfertigt aber fünf Sterne. "Bayern Open" sollte bei keinem Fan von Polt und der Biermösl Blosn in der Sammlung fehlen.


Gerhard Polt und Gisela Schneeberger -
Fast wia im richtigen Leben ...


Viele Polt-Fans erinnern sich noch an diese legendäre TV-Serie, die ein nicht unwichtiger Beitrag zur Karriere der beiden war.

Alle Sketche aus der ARD-Sendereihe "Fast wia im richtigen Leben", mit denen Gerhard Polt und Gisela Schneeberger sich in den frühen achtziger Jahren beim breiten Publikum einen Namen machten - inklusive einiger noch nie gesendeter Folgen. Die Regie führte Hanns Christian Müller. 5 DVDs im Schuber - Spielzeit: ca. 665 Min. ISBN: 3-0369-1220-7. Kein & Aber AG Zürich.
Amazon dazu:
"Polt bleibt Polt ... ob als sturer Finanzbeamter oder als Discokönig, der Schwierigkeiten mit dem Türsteher hat. Ob als internationaler Feinschmecker an der Pommesbude oder als gnadenloser Hitproduzent, dessen neuester Star vor Dummheit nur so leuchtet. Ob beim zehnten Knödel im Restaurant oder als übereifriger Zollbeamter, der hinter jedem Holzschemel eine Antiquität vermutet. „Fast wia im richtigen Leben“ vereint auf fünf DVDs alle Sketche aus der ARDSendereihe „Fast wia im richtigen Leben“, mit denen Gerhard Polt und Gisela Schneeberger sich in den frühen achtziger Jahren beim breiten Publikum einen Namen machten – inklusive einiger noch nie gesendeter Folgen. Der Münchner Gerhard Polt (*1942) brilliert seit 1975 auf deutschen und internationalen Bühnen als Komödiant und Schauspieler."



"Polt ist ein Ereignis", meinte einmal der große Loriot. Ich beginne unüblich (was wäre bei Polt schon "üblich"?) mit den Auszeichnungen, die sich in den letzten Jahren doch merklich häuften: Zwischen dem Kulturförderpreis der Stadt München im Jahr 1975 und gleich etlichen im Jahr 2001 (Bayerischer Literaturpreis, Deutscher Darstellerpreis, Ernst Lubitsch-Preis, zwei Mal Goldenes Kabel usw.) liegen 26 Jahre. 2002 ging es dann mit dem Doderer-Literaturpreis weiter. Eine Zeit, die von Polt in einer kaum zu beschreibenden Zahl von qualitativ hochstehenden Fernsehsketchen, Filmen, Plattenaufnahmen (Wer kennt nicht sein "Nikolausi"!), Büchern ausgefüllt wurde und noch wird. Er ist ein Meister der Satire, der politischen Polemik, der scharfsinnigen und hintergründigen Bosheiten, im Umgang mit der Tücke des Objekts und macht seine Bühnen- und Filmauftritte zu einem nicht immer leichten Vergnügen. Es könnte ja noch etwas im "Hinterhalt" lauern... Er hat eine unverkennbare Seelenverwandschaft zum Komiker des Jahrhunderts Karl Valentin, aber eine völlig eigene und unverwechselbare Handschrift. Da gibt es ja eine CD von ihm, die bisher Unveröffentlichtes des genialen Valentin präsentiert. Mit seiner langjährigen idealen Partnerin Gisela Schneeberger. Das Cover ist weiter unten abgebildet.
Christoph, Hans und Michael Well präsentieren seit 1976 als "Biermösl Blosn" bayerische Folklore und Dialekt auf eine besondere subversive Art. Sie verbinden ursprüngliche bayerische Volksmusik mit bissigen satirisch-politischen Texten. 1982 lernten sie Gerhard Polt kennen, mit dem sie seitdem eng zusammenarbeiten.
Die Prix-Pantheon-Jury schrieb: "Die Biermösl Blosn erhalten den Sonderpreis 'Reif & Bekloppt', weil sie uns angesichts solcher Folklore Verlogenheiten wie Musikantenstadl und Volkstümliche Hitparade aus dem Tal der Verzweiflung führen und beweisen: Nicht jede Familie muss zwangsläufig als Kelly Familie enden." Dieter Dorn, Intendant der Münchner Kammerspiele, in einer Laudatio anlässlich einer Preisverleihung an Gerhard Polt: "Hier macht sich einer nicht Gedanken über die Realität, sondern da denkt einer Realität. Da sammelt einer mit offenen Augen und Ohren Alltagsware, schleust sie durch seinen Kopf und lässt sie nun scheinbar beiläufig und harmlos aus seinem Mund fallen. Es sind kalte, scharfe, genaue Beobachtungen von Personen und in der Beschreibung liegt der Witz, nie die Pointe. Polt stellt Menschen dar, nicht bloß; er verrät und verkauft sie nicht. Dazu weiß er zu genau, wen und was er beschreibt, das sind mal zu kleinen, mal zu großen Teilen, wir und er gehört dazu. Zwischen Kunst und Wirklichkeit passt bei Gerhard Polt kein Blatt Papier mehr."

Zum 60. Geburtstag im Jahr 2002 widmete ihm die "Süddeutsche Zeitung" ein ausführliches und sehr charakteristisches Interview. Das sagt mehr als viele Worte an dieser Stelle.
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Viele musikalische Aktivitäten machte er gemeinsam mit der besonders für bayerische Politiker unbequemen Gruppe "Biermösl Blosn" und sogar mit den "Toten Hosen". Am 26./27.11.2001 traten die genannten Gruppen mit ihm zusammen im Wiener Burgtheater auf. Ein Wahnsinn!!! Wann gibt es davon eine DVD!
Bilderfolgen davon sowie von etlichen anderen Veranstaltungen, eine Biografie, Diskografie, Polt in TV und Kino und vieles mehr ist auf der sehr empfehlenswerten Website der "Biermösl Blosn" enthalten.
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Wenn seine 12-teilige Fernsehserie (prod. Bayer. Fernsehen) "Fast wia im richtigen Leben" in einem der dritten Programm wiederholt wird: So "Polt-erte" er los, das war eigentlich sein Durchbruch in der Medienlandschaft. Unbedingte Pflicht, besonders wenn man ihn noch nicht so richtig kennt.!

Gerd Müller.

"Germanicus"
.
Die Kritik (SPIEGEL, Focus und andere waren nicht sehr begeistert von diesem Film... aber er ist wirklich lustig und listig ...)

c.film.de/moviespecials

 

Gerds Autogramm-Juwel




... "Mit Respekt" - typisch Polt



Rezensionen

Mein sehr persönlicher Konzertbericht



Polt-ern mit Biermösl … 19. Juli 2007 Litzendorf bei Bamberg, Sternenfestival

Wenn 2500 Leute (lt. einem Security-Mann) jeden Alters nach Litzendorf bei Bamberg zum Sternenzeltfestival pilgerten, sich also rechtzeitig ihre Karten gesichert haben (ein Zusatztermin konnte leider nicht realisiert werden), kann man sich unschwer die fantastische Stimmung vorstellen, die im ovalen großen Zirkuszelt herrschte. Volksfeststimmung pur. Die Einheizer waren die drei Well-Brüder (Christoph, Hans und Michael Well) aus Hausen in Oberbayern mit dem Toppkabarettisten Gerhart Polt vom Schliersee an Bord. Letzterer sprach im Verlauf seiner unglaublich bizarrkomischen und lachmuskelstrapaziösen Ausführungen z.B. von seinem nichtbayerischen Doppelhaushälftenachbarn, der es bei einer gemeinsamen Grillparty fertigbrachte, Weißwürste zu grillen. Seine Empfehlung, in Biergärten nie aus einem Steinkrug zu trinken, sondern aus einem transparenten Glaskrug, resultiere aus der Erfahrung, dass man da nach einem kräftigen Schluck schon mal in einem unbeaufsichtigten Augenblick die „Auster des kleinen Mannes“ durch die Gurgel langsam nach unten rinnen spürt. Bei seinen sehr bildhaften „Auswurf“-Ausführungen verdrehte es etlichen der Anwesenden den Magen. Er philosophierte in brillanten Monologen über alle möglichen Missstände im Land, wie dubiose Fleischreimporte, Klimaschutz usw. Gegen Ende sang er brutalgrell in Suaheli-Dialekt anmutende Lieder, die die Fans mizusingen hatten oder bewegte seinen Körper dezent zu spanischen Rhythmen. Nee nee, was der 65-jährige bot, war einfach köstlich. Man kann es eigentlich nur unvollkommen beschreiben – das muss man selbst erleben. Gift und Galle, raffiniert valentinesk verpackt. Er spielte sich in einen wahren Rausch. Das gilt auch für die urbayerische Truppe Biermösl Blosn, die noch der echten bayerischen Volksmusik huldigt und alle kabarettmusikalischen Register zog, die eigentlich „un“vorstellbar sind. Der Jüngste der Brüder, Christoph „Stofferl“, überstand tapfer den Abend und krümmte sich öfter vor Schmerzen wegen einer Leistenzerrung, die er sich beim Kartenspielen (wer weiß, oder vielleicht beim Tennis?) zugezogen hatte. Was er auf der Bachtrompete, einer klassischen Flöte, an der Harfe und noch etlichen weiteren Instrumenten in atemberaubender Virtuosität zelebrierte, hätte selbst gestrengen Kritikern klassischer Konzerte ein ungläubiges Staunen ins Gesicht gezaubert. Apropos Instrumente: Ob Bassgeige, diverse Gitarren, rare Exemplare an Ziehharmonikas, Drehleier … toll, was diese kabarettistischen Musikclowns dem begeistert mitgehenden Publikum perfekt darboten. Natürlich wurden auch viele bayerische und bundesdeutsche „Problembär/inen“ süffisant und despektierlich behandelt - ob es um Stoiber, die „Latex-Pauli“, den bayerischen Papst, den Seehofer, Söder oder Schäuble ging. Wie immer bekam die katholische Kirche mit ihren Würdenträgern in Lied und Wort ihr Fett ab. Oder ein größenwahnsinniges Bauvorhaben in Bad Tölz. Oder auch ihr eigenes Umfeld mit dem berühmten engen Kreisverkehr, bei dem die Feuerwehr im Einsatz immer geradeaus über das Mittelteil rasen muss, was dann aufwändige Reparaturen am Fahrzeug verursache. Die Gruppe hatte sich auch hier vor Ort genau informiert und brachte Nachbargemeinden oder die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg mit ihrem Erzbischof Schick humorvoll ins Spiel. Das „Derblecken“ traf immer zielsicher ins Schwarze. Köstlich ihre „Gstanzln“, die manchmal spontan improvisiert wurden, auch wenn sie sich dann nicht immer perfekt reimten. Eine Schuhplattler-Einlage durfte auch nicht fehlen. Musikalische Krönung des Abends war der unvermeidliche Alphornauftritt, bei dem drei meterlange Instrumente einigen Zuschauern auf die Schultern gelegt wurden, nicht weit von uns entfernt. Ein super Sound mit Urlaubssehnsüchten wurde da ins Gehirn projeziert… In der Pause kam „Stofferl“ ziemlich früh wieder auf die Bühne, ich stand gerade davor und lachte. Er: „Warum lachst denn?“ Ich deutete auf das völlig verbeulte Horn, das am Boden lag. Darauf er: „Das war schon im Krieg gegen die Franken dabei“. Apropos Franken. Ein gellendes Pfeifkonzert war die Folge, als die Gruppe diesen Volksstamm wegen ihrer vermeintlich schlampigen Aussprache in die Nähe von Legasthenikern rückte.
Nach netto 2 Stunden und 20 Minuten inklusive mehrerer Zugaben war das Spektakel leider zu Ende. Stofferl schleppte sich zuletzt nur noch humpelnd auf die Bühne. Respekt – wie Polt stets zu sagen pflegt und danke für einen unvergesslichen gar köstlichen Abend.

Donnerstag, 19. Juli 2007, Sternenfestival Litzendorf bei Bamberg 23.07.2007

Scharfer Spott und große Kunst - Doppelsatire Im „Sternenzelt“ sangen die bösen Buben der Biermösl Blosn ihre frechen Lieder. Gerhard Polt brillierte mit hintergründigen Soli. 2000 Zuschauer waren begeistert. Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Görtler
Foto: Krachlederne Klassik mit Kontrabass: Gerhard Polt (r.) und die Well-Brüder (v. l.) Christoph, Hans und Michael. Foto: Rudolf Görtler

Litzendorf - So viele Oppositionelle kann es in der Region doch gar nicht geben, wie am Donnerstag im „Sternenzelt“ Polt- und Biermösl-Fans saßen. Sollten die Mitglieder und Wähler der Partei aus heiterem, weiß-blauem Himmel plötzlich zur Selbstironie fähig sein? Oder entspannt die Hofnarrenrolle der drei Well-Brüder Hans, Michael und Christoph alias Biermösl Blosn goutieren? Die attackieren seit 30 Jahren die im Freistaat unangefochten herrschenden Schwarzen, legen anarchische Wurzeln vermeintlich biederer Volksmusik bloß und reißen genüsslich die Kluft zwischen Bayern-Klischees und turbokapitalistischer Realität auf. Wieder einmal sangen die mittlerweile gestandenen Männer vor ausverkauftem Haus bzw. Zelt ihr garstig Lied vom angebeteten Tanklöschfahrzeug, vom Swinger-Club im Gewerbegebiet mit Kruzifix in jedem Kammerl und natürlich von der Partei, der die drei in innigster Hassliebe nahezu symbiotisch verbunden sind.
Ein Biermösl-Konzert kann gar nicht schlecht sein; man hat die Brüder jedoch schon in besserer Form gesehen. Vor kleinerem Auditorium fühlen sie sich wohl wohler. Vielleicht ist in all den Jahren die Rolle der bösen bayrischen Buben zum routinemäßig übergestreiften Kostüm geronnen. Dennoch sind ihre Lieder, die einen all die Jahre vom Franz Josef über den Max bis zum Edmund und bald dem Günther begleitet haben und begleiten werden, erstklassige Unterhaltung. Zu schön auch etwa die Edmund-Passion über den Schau-Scheiterer, aus dessen Darm sich sogar ein Markus Söder klammheimlich fortstiehlt. Kongenial in Moll musiziert von den versierten Multiinstrumentalisten. Sie verändern nichts, das wissen die Brüder selber, aber sie haben’s wenigstens gesagt. Und das viel lustiger als die traurig-verbissene rot-grüne Opposition. Musikalischer sowieso, wie mehrere Klassik-Instrumentaleinlagen beweisen.

Dass er nichts verändert, weiß auch der geniale Gerhard Polt, im Mai 65 Jahre alt geworden. Vermutlich kommt es ihm auch gar nicht darauf an, sondern auf die Produktion großer Kunst. Polt ist kein „Comedian“, kein Kabarettist; er ist ein Sprach-Künstler und völlig zu Recht z. B. mit dem Jean-Paul- oder aktuell dem Karl-Valentin-Preis ausgezeichnet worden. Dem Valentin ist der reife Polt ebenbürtig, ja in den eingesetzten Mitteln überlegen. In seiner Rollenprosa entstellt der Künstler den Klein- und Spießbürger zur Kenntlichkeit, seziert den unter der biedermännischen Haut lauernden Faschismus. Da findet der gemütliche Kulturbeamte, dass zu grünen Matten Negerschwarz einfach nicht passt, gell!, oder er schweift ab zur dritten asiatischen Frau des Hinterleitner Rudi, die schön anzuschauen ist, aber einfach nicht haltbar. Jeder Figur ordnet Polt einen eigenen Sprachduktus zu, ein virtuos variiertes Gebräu aus Dialekt und Anglizismen, aus halb verdauten Fremdwörtern, Satzfragmenten und Scheinversprechern.

Höhepunkt ist das furiose Crescendo eines über die Zeitläufte, die in Berlin und da oben lamentierenden Kleinbürgers. Konsequenz der Tirade: keine. Wie wenn Horkheimer/Adornos autoritär strukturierter Charakter auf der Bühne stünde. Aber das tut er Gott sei Dank nicht, sondern ein in der Zugabe im Fantasie-Suaheli krakeelender Polt. Man verlässt beglückt das Zelt, am selben Tag ist Beckstein zum Ministerpräsidenten nominiert worden. Alles unverändert.


Foto: Ronald Rinklef, Fränkischer Tag



Kleinbürger im Freistaat im Visier
- Konzerthalle Bamberg, 27.11.2004
Gerhard Polt solo – Nur in Spanien ist das Leben offenbar noch schöner

„Ausverkauft. Nur Stehplätze sind noch zu haben.“ Wenn so die ernüchternde Auskunft am Ticketschalter lautet, dann muss im Joseph-Keilberth-Saal mit seinen 1397 Sitzen schon wahrhaft Besonderes geboten werden. Tatsächlich: Mit Gerhard Polt war so etwas wie der Karl Valentin unserer Tage in Bamberg zu Gast. Übrigens wollte sich auch Oberbürgermeister Herbert Lauer den satirischen Blick auf das Leben der Kleinbürger im Freistaat nicht entgehen lassen.
Den gebürtigen Münchner, 62 mittlerweile, und seit fast drei Jahrzehnten als Kabarettist unterwegs, kann man zusammen mit den Biermösl Blosn erleben oder im Kino. Am besten aber genießt man ihn pur bei seinem Soloprogramm. Eine große Bühne, ein Mikrophon, ein einsamer Stuhl (auf den er sich den ganzen Abend lang nicht setzen sollte), ein Lichtkreis – mittendrin Gerhard Polt, mittendrin im Leben, von dem er erzählt. Geschichten fast wie im richtigen Leben, gefiltert durch Polts „private Meinung meinerseits“.
Vom Finanzamt („trockene Materie, aber sehr gute Kantine“) hat er sich hochgearbeitet zum Konservator in einem Kulturstaat von Rang, Bayern nämlich. Freilich ist man von anderen Kulturstaaten umzingelt. Das Problem: dass es Menschen gibt, „wie es sie früher nicht gegeben hat, jedenfalls nicht in Bayern“. Kerle, die im Nymphenburger Schloss König Ludwig einen ausgezuzelten Kaugummi ins Antlitz kleben wollen, oder im Rokokotheater von der Loge herunter ihr Geschäft zu verrichten gedenken. Schließlich spiele man Shakespeare unter einem gewissen Schlingensief, und da sei der „Stuhlgang Teil der Dramaturgie“.
Polt wird nicht müde, über das gerade in der Vorweihnachtszeit herrschende Gedränge in den Fußgängerzonen zu wettern, wo der „Mensch zum Container wird und alles in sich reinschiebt“. Auch schimpft er über „zugereiste Siemens-ler“ in der Nachbarschaft, die kein Bayerisch verstehen. Wenigstens sei es gelungen, den Dialekt im Archiv des BR zu konservieren, „und da kommt er auch nicht mehr raus“.
Ach, und unser Bayern – von Franken war an diesem Abend nie die Rede – ist doch so schön. Die Blasmusik, die Berge, weißblau der Himmel: „Ein Neger passt da nicht rein.“ Das sei natürlich rein farblich gemeint. Sarkastische Töne auch, wenn der Kabarettist bemerkt, Hitler habe, anders als etwa Scharping, kein Abitur gehabt, „und es trotzdem zu etwas gebracht“.
Die Rentner will Polt nach Spanien schicken, wo sie ohne Heizung auskommen. In der internationalen Wohnanlage („dort gibt es sogar Österreicher“) im Süden herrsche ohnehin Bombenstimmung, vor allem wenn der Wetterbericht meldet, Deutschland nähere sich von Island her wieder ein Tief.
Bei Polt wird man nicht nur bestens unterhalten, man lernt sogar noch dazu, etwa was Tragik ist: Ein Schwimmer ersäuft. Ertrinke ein Nichtschwimmer, so sei das nur konsequent.
Für den Nachhauseweg gab Polt dem begeisterten Publikum (so lautstark, wie es den wortflinken Satiriker begrüßte, werden andere Künstler nicht mal verabschiedet) noch den Ratschlag mit, zwecks größerer Transparenz aus Glaskrügen zu trinken. Mit einem stählernen Krug erwische man schon mal einen „mir persönlich anonymen“ Auswurf. Der aber sei immerhin die „Auster des kleinen Mannes“.
Wenn Lachen, und das steht ja außer Frage, gesund ist, dann haben etliche Polt-Fans einmal mehr einen außerordentlich gesunden Abend verbracht – so viel steht fest.
Jürgen Gräßer



Gerhard Polt - Cover-Galerie (Auswahl). Komplettauswahl: Mehr ...


Rückblick - frühere Aktuell-Meldungen

Offener Vollzug - Ein Staatsschauspiel:
Gerhard Polt und die Biermösl Blosn - mit Gerhard Polt, Christoph Well, Hans Well, Michael Well - Regie: Urs Widmer, Bühne Peter Schultze, Kostüme Peter Schultze, Musik Biermösl Blosn. Nächste Vorstellungen am Dienstag 30. Mai 2006, Mittwoch 28. Juni 2006, Freitag 30. Juni 2006 im Residenz Theater: Mehr ... (links "Offener Vollzug" anklicken, dann finden Sie tolle Fotos!).
Wer die Gelegenheit hat, diese Vorstellungen zu besuchen, ist zu beneiden ... Hoffentlich gibt es in nicht allzu ferner Zukunft eine DVD dieses denkwürdigen Ereignisses!Außerdem liest man im Forum von Polt/Biermösl tolle Presseveröffentlichungen des Münchner Merkus, der SZ und des Donaukuriers: Mehr ... (links Forum anklicken ...)
Gerd 28.05.2006 (Ins Archiv 12.12.2006)


Updates: 22.20.2003/21.03./27.03.04/05.04./29.11.2004/23.11.2005/28.05./12.12.2006/23.07.2007/20.05.2010/19.08.2010