Musiker in eigener Sache - Aufruf

Für eine Quote für Musik aus Deutschland

Übrigens:
Auf Bayern 3 hört man in letzter Zeit verstärkt deutsche Musikproduktionen. Z.B. von Westernhagen, Grönemayer, July, Silbermond, Annett Louisan, Peter Maffay und anderen. Ein Zufall? (10.03.2005)

Der Süddeutschen Zeitung vom 18.12.2004
entnahm ich, dass der Bundestag von den Rundfunksendern einen höheren Programmanteil mit deutschen Sängern oder Produktionen erwartet. Am 17.12. ist mit Koalitionsmehrheit der Antrag von Grünen und SPD mit dem Ziel angenommen worden, dass eine Quote von annähernd 35 % erreicht wird. Anje Vollmer habe von einem wichtigen Signal an die Musiker in Deutschland gesprochen. Die Union setzt sich für mehr Vielfalt im Radio ein, lehnt jedoch eine Radioquote als "Bevormundung und Zensur" nach "DDR-dirigistischem Vorbild" ab. Die ARD habe den Beschluss des BT kritisiert, denn Rundfunk sei Sache der Länder ...

Anmerkung:
Dann hat sich also Frankreich mit seiner Quotenregelung einem "DDR-dirigistischem" Vorbild unterworfen. Toll! Die ARD hat insofern Recht, dass die Rundfunkhoheit von den Ländern ausgeübt wird und demzufolge das Ganze wie das berühmte Hornberger Schießen ausgeht. Zum Nachteil von Musikern, die ohne eine starke Plattenfirma im Rücken von den öffentlich-rechtlichen Gedudelsendern nie vorgestellt oder öfter als einmal gespielt werden.
Das mit der Länderhoheit hätte eigentlich auch die Vizepräsidentin des Bundestages, Antje Vollmer (Die GRÜNEN) als Mitinitiatorin wissen müssen. So gab es einige Fensterreden, und das war's wohl. Die Gelackmeierten sind die über 500 Künstler, die sich mit ihrer beispiellosen Aktion wohl etwas anderes vorstellten. Ein Appell nützt doch nicht die Bohne ... (24.12.2004)

Die Süddeutsche Zeitung vom 24.12.2004 befasst sich in ihrer Weihnachtsausgabe nochmals ausführlich mit der Quotenregelung nach der Bundestagssitzung. Auf der Seite 2 widmet sie dem Thema über eine 3/4-Seite. Es wird die Entwicklung vor allem der privaten Rundfunksender zum sog. Formatradio erklärt. Und was erschütternd ist, dass die meisten Rundfunkstationen sage und kaum glaube nur zwischen 180 und höchstens 600 Musikstücken auf ihrer Festplatte haben, so dass praktisch jeden halben Tag das komplette Programm rauf und runter gedudelt wird (Jargon: "Dudelfunk"). Star-Fotograf Jim Rakete wird interviewt. Eine wichtige Kernaussage von ihm ist, dass man die öffentlich-rechtlichen Sender an ihren Kultur- und Informationsauftrag erinnern müsse und die privaten, dass sie zur Vielfalt verpflichtet sind. Hans-Jürgen Kratz als Vorsitzender des Fachbereichs Hörfunk beim Verband privater Rundfunk und Telekommunikation findet den Anteil von 9,2 % deutschsprachiger Musik an den 200 - 600 Titeln, die Privatstationen im Programm haben nicht schlecht. Dahinter verstecken sich zurzeit Titel wie Juli mit der "perfekten Welle" oder Silbermond. Einen Udo Lindenberg brauche man nicht, den würde ja aus gutem Grund keiner mehr spielen. Die SZ fragte ihn, dass das öffentliche Bild vom Radio so schlecht wie nie zuvor sei. Seine Antwort lautet sinngemäß, dass entweder der Geschmack der Leute total verirrt sein (!!!) oder die Sender genau da spielen würden, was die Menschen hören möchten.

Alles klar? Dran schuld sind also wir. Ich kann leider keine Auszüge aus dem langen, informativen Artikel der Zeitung bringen, weil die Wiedergaberechte sehr teuer eingekauft werden müssen. Das ist für eine nichtkommerzielle und ideelle Seite wie der meinen nicht erschwinglich. Ich empfehle deshalb, bei Interesse sich die Ausgabe der SZ zu besorgen. Die Print-Presse muss man wirklich loben, weil sie sehr ausgewogen über die Problematik berichtete. Ob sich allerdings etwas Entscheidendes ändern wird, ist fraglich ...
Aber wir dürfen nicht aufhören, den Stachel ins Fleisch der arrogant auftretenden Vertreter des öffentlich-rechtlichen wie privaten Rundfunks zu stechen.


Danke Holger Saarmann für die Übermittlung des offenen Briefes von Fritz Wiehe an Reinhard Lakomy nach dessen Leserbrief in der Berliner Zeitung (19.10.04)

Fritz Wiehe, Brehmestraße 10, 13187 Pankow, Tel.: 494 00 785, eMail: kinder-des-ahorn@web.de, 11.10.2004

OFFENER BRIEF AN REINHARD LAKOMY (weil auf seiner Homepage keine Kontaktmöglichkeit angegeben ist)

als Antwort auf seinen Leserbrief in der „Berliner Zeitung“ vom 09.10.2004, hier ein Auszug:

Ich bin seit 30 Jahren Abonnent der „Berliner Zeitung“, doch nun eher gewillt, diesem Blatt zu kündigen. Grund dafür ist Ihre diffamierende Darstellung des Begehrens vieler namhafter Künstler und Politiker für eine Quote deutschsprachiger Musik. Da ist die Rede von „abgehalfterten Deutschrockern wie Peter Maffay, Udo Lindenberg oder der Band City“, dann: „und den untoten Ostzonenrockern von City hülfe allenfalls eine Regelung für Musik von ehemaligen Bürgern der DDR“. Im gleichen Text von Jens Balzer werden Antje Vollmer und alle Politiker, welche die Quote befürworten, in die Nähe der NPD gerückt. Für mich ist das Bild-Zeitungsniveau und zeigt, daß hiesigen Künstlern nicht der geringste Respekt gezollt wird.
Auf der Titelseite werden Maffay, Lindenberg und May als Rentnerband tituliert (...). Genau so eigenartig sind die Aussagen des Herrn Wolfgang Clement als Bundeswirtschaftsminister und der Kulturstaatsministerin Christina Weiss, denen es offenbar egal ist, ob unsere Urheberrechtsgesellschaft, die Gema, Tantiemen an amerikanische oder deutsche Künstler zahlt. Die Amerikaner wissen seit langem, offenbar ganz im Gegensatz zu diesen politischen Tunichtguten, daß Musik ein immenser Wirtschaftsfaktor ist. Jeder, der einmal ohne gültige Arbeitserlaubnis in Amerika mit einem Musikinstrument im Gepäck eingereist ist, weiß, daß dieses gleich auf dem Flughafen konfisziert wird.
Freilich ist ein Opportunist wie Nooke (CDU) eher gewillt, die Fahne in den Wind der Amerikaner zu hängen als Vollmer, die längst begriffen hat, daß Entmündigung und Bevormundung im eigenen Land durch die Übermacht und dem daraus folgenden Diktat der amerikanischen Unterhaltungskonzerne ein bedrohliches Ausmaß angenommen hat. (...)
Kurz und knapp: Von der Quote würden vorrangig deutschsprachige Künstler und kleine Platten-Label profitieren, zweitrangig erst die großen, denn die machen sich erfahrungsgemäß erst an jene Künstler heran, die bereits Erfolg haben. Einheitsfraß verdirbt den Geschmack, und die meisten merken das nicht einmal. (...)
Die Natur lehrt uns überall, daß gegen Wildwuchs und Wucherungen (...) kräftige Schnitte (...) immer (helfen).

> Werter Lacky (als Kollege erlaube ich mir, Sie zu duzen),

wer seit 30 Jahren Abonnent der „Berliner Zeitung“ ist, darf sich mit einigem Recht als geschädigt betrachten, vor allem seit der Wende – der zu Gruner + Jahr Mitte der Neunziger, meine ich. Jens Balzer ist da nur die Spitze des Gipfels. Der geht beileibe nicht nur mit deutschnationalen Musikern respektlos um, und bemerkenswert ist an der Stelle lediglich, daß du das erst merkst, als er dich so behandelt wie Andere, deutsche und sonstige. Der interessiert sich für Musik so wenig, wie seine Chefredaktion sich für Politik interessiert, und ist also für das Blatt absolut qualifiziert, denn was einem Demokratiedarsteller eine saftige unhaltbare Denunziation, das ist dem Feuilletonisten eine sinnlose Pointe.

Aber lassen wir den. Kommen wir zum Eigentlichen:
Als Dichter, der seine Wortklaubereien auch mit musikalischen Mitteln transportiert, fühle auch ich mich von der medialen Mitte zu Unrecht links liegengelassen. Ich würde gerne was dagegen unternehmen, und ich kenne eine Menge Künstler, die bei weitem besser sind, als die, die dauernd gedudelt werden, und die wesentlich mehr Beachtung verdient hätten. Aber diese Quotendiskussion macht mir Angst – begründet, wie dein Leserbrief mir drastisch vor Augen führt.
Du willst nicht „in die Nähe der NPD gerückt“ werden. Gut, das kann ich verstehen, das ist schließlich nicht nötig, solange Antje Vollmer noch bei den Grünen predigt. Wobei, die stufe ich auch nicht als rechtsradikal ein, eher als treudoof, daß sie sich vor so einen nationalistischen Karren spannen läßt. Hast du deinen Brief eigentlich selbst gelesen oder nur unterschrieben? Lies ihn mal. Ich helfe dir ein bißchen:
- Clement und Weiß sei es „offenbar egal, ob (...) die Gema Tantiemen an amerikanische oder deutsche Künstler zahlt“. Das hoffe ich doch sehr, Lacky, das hoffe ich doch sehr! Im Übrigen, weil du ja noch nicht so lange im deutschen Kapitalismus wohnst, sei dir mitgeteilt: einem/r deutschen Minister/in ist ohnehin egal, wer wem wann was zahlt, hauptsache er und sie wird fett dabei und er/sie wird nicht dabei erwischt, vom Volk z.B..
- „Die“ Amerikaner machen es, deiner Meinung nach, richtig: sie schotten „ihren“ Musikmarkt vor Fremdländischem ab. „Die“ Deutschen dagegen haben nur ihre „politischen Tunichtgute“ ... ja, nicht nur das, möchte ich dir beiflichten, „die“ Amerikaner bauen sich sogar einen nuklearen weltraumgestützten Schutzschirm.
- Und jetzt bitte ich dich inständig, lieber Lacky, lies dir den folgenden Satz selbst noch zwei-, dreimal durch, damit du argumentativ auf deiner eigenen Höhe bist, wenn die NPD-Werber an deiner Haustüre klingeln: „(...) ein Opportunist wie Nooke (ist) eher gewillt, die Fahne in den Wind der Amerikaner zu hängen als Vollmer, die längst begriffen hat, daß Entmündigung und Bevormundung im eigenen Land durch die Übermacht und dem daraus folgenden Diktat der amerikanischen Unterhaltungskonzerne ein bedrohliches Ausmaß angenommen hat.“ Sach ma, weiß eigentlich der Reinhard May, was du in deiner Freizeit so von dir gibst und daß du in deinem eigenen Land bevormundest wirst? Andererseits, wer wünscht sich niciht ein eigenes Land ...
Kurz und knapp, Reinhard Lakomy: wenn das das Gedankenschlecht ist, auf dem die Quote gedeiht, dann bleib mir damit von der Pelle, mal abgesehen davon, daß ich mir so manchen deiner Mitquotisten nur mit Grausen quotengefördert vorstellen möchte.

Wie gesagt, ich wünschte mir, die Medien kümmerten sich mehr um die Klein-Künstler und –Einkommen – aber auf keinen Fall, weil die sich auf eine bestimmte Art und Weise ausdrücken. Die deutsche Sprache ist mein Arbeitsmaterial. Ich benutze es, weil ich es einigermaßen beherrsche und mit ihm meine Bilder malen kann, wie ein Maler z.B. schwerpunktmäßig in Öl spricht.
Zu guter Letzt will ich dir aber auch einmal aus tiefstem Herzen zustimmen: „Einheitsbrei verdirbt den Geschmack.“ Das wußte ich allerdings schon vor 1989.

Fritz Wiehe

Fritz Wiehe hat heute folgende Eintrag ins Gästebuch der Musicpage gemacht:

Eintrag 296 vom 22.10.2004, 07:33:

Hallo Gerd, noch ein, zwei Sätze zu meinem "offenen Brief an Lakomy". Ich muß was richtig stellen: Ich bin in der Quotenfrage ganz und gar nicht engagiert, allerdings in der Nationalismusfrage. Ich verschicke monatlich einen "kulturpolitischen Rundbrief". In der Nr. 1, Oktober 04, befaßte ich mich mit dem Thema (ich kann ihn Interessierten noch zuschicken). Der Lakomy stieß mir in diesem Zusammenhang auf. Allerdings hat mir gerade gestern ein befreundeter DDR-Liedermacher, der den Lakomy persönlich kennt, wortreich klarmachen wollen: der ist gar nicht so ... wenn du den kennen würdest ... usw. Aber ich kenne nur ein paar Kinderlieder und genau diesen Brief von ihm. Es ist nicht meine Schuld, wenn er nicht sagt, was er ist. Mein Brief, darauf kannst du Gift nehmen, ist ich.
Alles Gute. Fritz

Mein Kommentar vom 22.10.2004, 08:28:
Hallo Fritz, danke für die Ergänzungen. Ich stelle gerne deine Anmerkungen noch auf die Seite mit der Quote, ja? Auf jeden Fall war der "Disput" nachdenkenswert und wichtig! Auch dir alles Gute weiterhin, Gerd

Bitte beachtet auch die weiteren Einträge ins GB zur Quotenregelung ...


Popkomm:
Musiker und Politiker streiten um Radioquote für deutsche Musik -
29. September 2004:

Zum Auftakt der Popkomm in Berlin ist zwischen Künstlern, Plattenbossen, Politikern und Senderverantwortlichen ein Streit um eine Radioquote entbrannt. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) versetzte den Hoffnungen der Industrie auf eine gesetzliche Quote für Musik aus Deutschland gleich zu Beginn der Musikmesse einen Dämpfer. Clement plädierte am Mittwoch in seiner Eröffnungsrede zur 16. Popkomm für eine freiwillige Vereinbarung zwischen Sendern und Musikbranche.
Udo Lindenberg trat dem auf einer Pressekonferenz in Berlin entgegen. Nur wenn Musik aus Deutschland ein fester Anteil am Programm garantiert werde, hätten Nachwuchskünstler eine Chance, sagte er im Namen der 500 Künstler umfassenden Initiative „Musiker in eigener Sache”. Die Initiative fordert eine 50:50-Quote in deutschen Radios. 50 Prozent eines Radioprogramms sollten demnach für Newcomer reserviert sein, und davon noch einmal die Hälfte für Künstler aus Deutschland. „Eine Quote ist dringend nötig, um Talente zu fördern”, sagte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt.
Vereinte Front der Sender
Doch öffentlich-rechtliche wie auch private Sender bilden eine vereinte Front gegen die Quote, notfalls wollen die Privatsender sogar Verfassungsklage einreichen. In einer Anhörung des Bundestages zu dem Thema gerieten die ARD und der Vertreter der Privatsender am Mittwoch jedoch deutlich unter Druck. Sie mußten sich bohrenden Nachfragen aller Fraktionen stellen, die vor allem an den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erinnerten.
„Unser Kriterium ist der Hörer und kein Lobbyistenverband”, meinte der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission, Gernot Romann (NDR). Deutsche Künstler hätten nun einmal nicht die gleiche Akzeptanz wie englischsprachige Künstler bei den Hörern. „Parteien können nicht bestimmen, was die Hörer hören sollen.” Hans-Jürgen Kratz vom Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation betonte, eine Quote würde den Marktmechanismus außer Kraft setzen und die privaten Sender zwingen, unwirtschaftlich zu arbeiten und damit Arbeitsplätze abzubauen.
Leidenschaftliches Plädoyer aus Frankreich
Mit leidenschaftlichen Worten setzte sich in der Anhörung der frühere französische Kulturminister Jacques Toubon für eine einheimische Musikquote in den Rundfunksendern ein. Er verwies auf die „sehr positiven Erfahrungen” in seinem Land seit der Einführung einer solchen gesetzlichen Quote am 1. Januar 1994. Neue Künstler hätten Profilierungschancen erhalten und der Verkauf französischer Platten sei um das Mehrfache gestiegen. Unter starkem Beifall im Anhörungssaal des Parlaments sagte der Kulturpolitiker: „Sie machen in Deutschland große Anstrengungen, ihre klassische Musiktradition zu bewahren und zu schützen. Ich glaube, daß man die deutsche Popmusik nicht schlechter stellen darf.”
Frankreich ist das Partnerland der Popkomm, die zum ersten Mal in Berlin gastiert. Nach neuesten Angaben sind 663 Aussteller aus 41 Ländern in den Messehallen am Funkturm vertreten - knapp 50 mehr als im vergangenen Jahr in Köln, wo die Zahlen von Fachbesuchern und Ausstellern eingebrochen waren. Text: dpa


Die "Süddeutsche Zeitung" widmete dem Thema in ihrer Ausgabe vom Freitag, 10. September 2004, sage und schreibe eine ganze Seite. Titel: "Eine Quote für den deutschen Pop". Mit einem Interview der Bundestagsvizepräsidentin und kulturpolitischen Sprecherin der Frakton von Bündnis 90/Die Grünen, Antje Vollmer. Sie ist auch Mitinitiatorin der Bundestagsanhörung zur Radioquote für deutsche Musik am 29. September und befürwortet deren Einführung. In einem längeren, sehr informativen und wohl begründeten Interview macht sie interessante Ausführungen.

Die "Contra Musikquoten"-Position nimmt ausgerechnet ein Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Johannes Grotzky (seit 2002 Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks) ein. Unter dem Motto: 'Deutsche Musik ist nicht per se gut'. In extrem arroganter Weise stellt er die Frage, ob wir kulturpolitisch einen Zentralstaat oder einen föderalen Staat haben. Und weiß sich angeblich mit ALLEN öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern einig, dass es keine Quote geben darf. Ich kann mir wieder einmal die Frage nicht ersparen, wieso wir überhaupt noch mit einer teuren Zwangsalimentierung durch die Bürger öffentlich-rechtliche Sender brauchen, wenn sie ihrer Verpflichtung, die Hörer allumfassend und ausgewogen zu informieren, nicht mehr nachkommen (wollen). Sie merken nicht, dass der Ast, auf dem sie (noch) bequem mit öffentlichen Mitteln ausgestattet sitzen können, immer dünner wird ...

Leider kann ich die Seite der SZ nicht direkt widergeben, da hierfür horrende Preise auch nur für kurzfristige Abdrucke verlangt werden. Damit dient man leider der Sache nicht und behindert die Weiterverbreitung. Es ist jedoch dankenswerter Weise ein Link auf der "Musiker in eigener Sache"-Site angeführt (http://www.the-berliner.com/musiker_in_eigener_sache). Dort kann man sich auch die Texte downloaden.
Mehr ...
(Hier sind viele Links nutzbar, die auch den aktuellen Stand wiedergehen ...)

Hier der SZ-Beitrag von Johannes Wilms.
Mehr ...

Ferner ist in der SZ ein interessanter Artikel über die seit 1994 in Frankreich bestehende Quotenregelung für französischsprachige Musik enthalten, der leider auf der genannten Website nicht eingesehen werden kann. Dagegen die Stellungnahme von Antje Vollmer:
Mehr ...

Ich werde weiter dieses Thema weiter im Auge behalten und darüber berichten

Frank Dostal und Jim Rakete (sowie Edith Jeske) haben sich mit folgendem
Aufruf an die Öffentlichkeit gewandt:

- Am 29. September 2004 wird im Bundestag eine öffentliche Anhörung zum Thema QUOTE FÜR MUSIK AUS DEUTSCHLAND stattfinden. Das wird die letzte Gelegenheit sein, die skandalöse Unterrepräsentation der Musik von deutschsprachigen Künstlern in deutschen Rundfunk- und Fernsehprogrammen zu beheben.
- Auswertungen der vergangenen Jahre belegen, dass die deutsche Musikszene in den Medien kaum noch vorkommt. In einigen Sendern liegt die Quote deutscher Neuvorstellungen bei gerade noch einem Prozent. Anstelle der versprochenen Vielfalt haben wir in den Sendern einen Formatmix aus anglo-amerkanischem Mainstream und den üblichen Oldies. Der Kulturauftrag von ARD und ZDF wie auch ihre Informationspflicht über Neues werden vernachlässigt, als gäbe es überhaupt keine eigene Musikszene mehr. Die einzige Ausnahme bilden Musiker, die von lokalen Radiostationen in wenigen Fällen zu überregionaler Bedeutung hochgesendet wurden.
- In unserer Mediengesellschaft wird nur wahrgenommen, was gesendet wird. Längst finden junge Künstler bei den Plattenfirmen keine Verträge mehr, weil die Marketingabteilung keine Medienplattform mehr für sie sieht. Zusätzlich verschärft wird das Problem durch die Strategie der globalisierten Muskkonzerne: Immer weniger weltumspannende Firmen setzen auf einen immer kleineren Nenner von Musik aus ihrem dominanten anglo-amerikanischen Repertoire.
- Plattenfirmen vermitteln durch die Produktion von Musik auch Kultur und suchen dafür einen Markt. Einen originären Kulturauftrag haben sie nicht. Diesen Kulturauftrag aber haben ausdrücklich die Radio- und TV-Stationen, die ihren Statuten nach nicht nur über deutsche Kultur und Musik berichten, sondern diese auch senden müssen.
- In keinem europäischen Land spiegeln die Programme von TV und Radiosendern so wenig das Schaffen der Künstler der eigenen Region wider wie bei uns. Wie soll sich eine musikalische Kultur weiterentwickeln, wenn sie dem eigenen Publikum gar nicht erst angeboten wird?
- MUSIKER IN EIGENER SACHE wollen die Chancengleichheit für künftiges Talent in den Medien wieder herstellen. In Nachbarländern - allen voran in Frankreich und der Schweiz - gibt es schon eine vernünftige Quote, die die Rundfunkanstalten dazu anhält, ihre eigenen selbstverständlich in den eigenen Medien zu repräsentieren.
- Wir finden: es muss wieder möglich sein, Musik aus Deutschland in den Medien zu hören. Die Quote zugunsten der Musik von deutschsprachigen Künstlern ist eine Notwendigkeit, weil sie das einzige politische Mittel ist, eine Chancengleichheit in den Medien wieder herzustellen.
- Wir fordern die Sender auf, die kreative musikalische Landschaft Deutschlands und Europas deutlich und konturenreich wiederzugeben. Wir fordern mehr Musik von hier!

Ich unterstütze diesen Aufruf von MUSIKER IN EIGENER SACHE für eine QUOTE FÜR MUSIK AUS DEUTSCHLAND!
> Bitte diese Zeile mit Name, evtl. Bandangabe, Adresse u. Unterschrift an Jim Rakete per Fax: 030-88456338 oder Wittelsbacher Str. 18, 10707 Berlin, einsenden!

Für Rückfragen hier die Telefon-Nr. von Frank Dostal: 040-4102161 sowie seine Mailanschrift: Hier ...

Frank Dostal ergänzt noch dazu:

Guten Tag !
Textdichter, Komponisten und Musikanten aus ganz Deutschland haben sich zusammengefunden zu einer Arbeitsgruppe namens „Musiker in eigener Sache“.Aus gegebenem Anlaß haben wir einen dringenden Aufruf verfaßt, in dem wir „MEHR MUSIK VON HIER !“ im Radio, eine Quote für Musik aus Deutschland fordern.Am 27. September 2004 findet unter Teilnahme namhafter und erfolgreicher Mitstreiter in Berlin (exakter Ort und Zeit folgen) eine Pressekonferenz zum Thema statt , am 29. September 2004 von 15 - 18 Uhr eine sog. Anhörung zum Thema im Ausschuß für Kultur d. Deutschen Bundestages (Einlaß nur mit Personalausweis).
Es ist höchste Zeit für MEHR MUSIK VON HIER !
Wir sind schon viele. Mehr ist besser.
Wenn Du/Sie selbst kein Urheber bzw. Musikant bist/sind:
dies bitte flugs an solche weiterleiten. Danke. Friede sei mit uns - Frank Dostal

... und Edith Jeske:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
folgendes leite ich an euch weiter (Anmerkung: den Aufruf ...) - mit der innigen Bitte, euch zu beteiligen. Es geht um unsere gemeinsamen Interessen!
Liebe und herzliche Grüße, Eure Edith Jeske


Wie mir Frank Dostal am 25.07.04) weiter mitteilte, möchte er gerne präzisiert wissen, dass er natürlich auch die Musik meint, die hierzulande produziert wird. Also auch Produktionen anderer Nationalitäten ...


Eine Antwort habe ich schon von Holger Saarmann erhalten. Er schreibt in seinem offenen Brief:

Lieber Frank Dostal!
Lieber Jim Rakete!

Von einem Freund und Kollegen in Hamburg erhielt ich Euern Aufruf zur Radio-Quote.
Als Musiker werde ich in der "Szene" gern den "Liedermachern" zugerechnet. Meine derzeit favorisierten Selbstbezeichnungen sind "Sammelsänger" und "Asphaltbarde". Unterwegs bin ich mit Gitarrenballaden aus neun Jahrhunderten (wobei das aktuelle Jahrhundert durch meine eigenen Lieder repräsentiert wird), mit leisen, manchmal melancholischen Klängen, mit deutschen und anderssprachigen Liedern.
Ich kann mich eigentlich nicht beklagen: Ich habe einen "Fan" in der Berliner Rundfunkszene, der in seiner Folksendung hin und wieder Musik von mir spielt. Dennoch spiele ich meine Konzerte meist vor einer Handvoll Publikum.
Ist daran der musikmediale Imperialismus schuld?
Eure Quotenforderung macht mich skeptisch:
"Mehr Musik von hier", das bedeutet vor allem: Mehr Dieter Bohlen, mehr Ralf Siegel, mehr Wildecker Herzbuben ­ um nur einige deutsche Namen aus jener Zeit zu nennen, als ich mir das Radiohören abgewöhnte.
Ob das deutsche Funk-und Fernseh-Gedudel in oder außerhalb Deutschlands produziert wird, ist mir folglich egal.
Aber nicht ganz egal, denn:
Ohne Quote laufen wenigstens noch ab und zu Tom Waits, Björk, Goran Bregovic oder Cassandra Wilson im deutschen Funk ­ glaube ich. Die ersten nichtdeutschen Quoten-Opfer wären Querkopf-Musiker wie diese.
Und warum?
Weil die Einschalt-Quoten der Funk- und Fernsehanstalten bei jeder - auch deutschen! - musikalisch progressiven Unterbrechung des dudelnden Einerleis sinken.
Als leiser, Label-loser Kleinkünstler habe ich in der deutschen Musik- & Medienwelt ohnehin keine Lobby. Daran wird auch eine Deutschquote nichts ändern. Eher wäre diese ein schlechtes Vorbild für andere Länder, in denen ich mich als Musiker für Konzerte bewerbe. Wollten alle Länder wie Deutschland eine nationale Quote einführen, hätte ich dort mit meinen ohnehin nicht mehrheitsfähigen Klängen keine Chance mehr.
Veranstalter im quotengeregelten Nachbarland Frankreich antworten nicht einmal auf meine Anfragen!
Ich lasse mich nicht für die Geschäftsinteressen deutscher Medien-Herzbuben mit vor einen Karren spannen, in dem vielleicht mein eigener Grabstein transportiert wird!
Ich fordere eine Quote für unerhörte Klänge und intime Gesänge, für Musik, die atmet, die zum Zuhören zwingt oder zum Putsch gegen das allumfassende Einerlei bläst. Egal woher und in welcher Sprache.
Dazu wünsche ich mir ein Volk, das mit mir die Liebe zu solcher Musik teilt. Und viele gleichgesinnte Nachbarvölker, für die die nationale Herkunft der Musiker kein Kriterium ist.
Zur Diskussion gestellt ...
Freundliche Grüße - Holger Saarmann - Berlin
PS:
Ein ganz pragmatischer Gedanke sei noch angehängt:
Wie wäre es mit einer Radio-Quote für sogenannte Independent-Musik (d.h. für Musik, die nicht von Konzernen oder großen Labels vertrieben wird)?

Anmerkung von Gerd Müller:

Bitte beteiligt euch zahlreich mit Reaktionen an diesem Aufruf. Bitte auch hierfür das Gästebuch nutzen. Danke! (25.07.2004). Siehe auch "Juwelenstory" über Volker Saarmann! Und die Story über die Band WONDERLAND, bei der u.a. Frank Dostal entscheidend mitwirkte.

Gerds Musicpage schließt sich diesem Aufruf durch dessen Veröffentlichung an, findet aber auch die Argumente von Herrn Saarmann diskussionswürdig. Wenn man überlegt, dass z.B. der Plattenkonzern BMG wegen der schlechten Ertragslage fast alle deutschen Künstler von ihren Verträgen "befreien" möchte, gewinnt der Aufruf nochmals an Dramatik.


Die bisher im Gästebuch eingetragenen weiteren Meinungen habe ich hier der besseren Übersicht halber nochmals reinkopiert - in chronologischer Reihenfolge (der älteste Beitrag zuerst):

1. Andy
Eintrag 265 vom 13.08.2004, 08:07


Hallo Gerd!

Ich muss gestehen, dass ich einer Quotenregelung für in Deutschland produzierte Musik skeptisch gegenüber stehe. Zum einen ganz grundsätzlich, weil ich von Quotenregelungen wenig halte. Zum anderen, weil dieser Aufruf ganz allgemein in Deutschland produzierte Sachen fördern möchte. Wenn er sich auf deutschsprachiges konzentrierte, könnte ich einen kulturellen Anspruch erkennen. Aber in Deutschland produziertes...?! Das riecht mir verdammt nach einem kulturfreien Aufruf, der lediglich darauf hin arbeitet die Kohle doch bitteschön im eigenen Land zu lassen. Was würde ein auf diese Weise quotenregulierter Radiosender denn spielen? Wahrscheinlich noch mehr englischsprachige Popmusik aus dem Hause Bohlen. Danke!
In meinen Augen gibt es nur einen Weg aus dem Dilemma des ängstlichen Radio-Einheits-Breis:
Wir brauchen an den Radio-Mikrophonen wieder Moderatoren, die keine Angst haben müssen bei einem falschen Wort direkt gefeuert zu werden. Und vor allem: Wir brauchen dort wieder musikbegeisterte Moderatoren, die die gespielte Musik selber aussuchen dürfen – und die auch bei der Titelwahl keine Angst haben müssen!
Das brächte wieder ein wenig unkontrollierte Freiheit und Vielfalt!
Aber oje! Ich seh‘ bei den Programm-Chefs schon den Angstschweiß über die Stirn laufen...
Falls Du das nicht schon kennst, hör doch mal hier rein:
RÜCKRAD
Gruß, Andy

Kommentar vom 13.08.2004, 11:10:

Hi Andy vom jetzt sehr aktuellen Rock-Olymp!
Danke für Deine engagierten Zeilen zur Problematik einer Quotenregelung für deutschsprachige Künstler bzw. deutsche Produktionen in Funk- und Fernsehmedien. Sie zeigen auch, wie vielschichtig und damit wohl kaum zufriedenstellend die Problematik zu lösen ist. Holger Saarmann hat ja schon auf der Begrüßungsseite in einem ausführlichen Statement geschildert, wie sich dann die Lage Lobby-loser Künstler darstellen würde. Du hast Recht: Mehr Bohlen & Co. können wir uns wirklich sparen...
Dein Vorschlag mit auswahlfreien Moderatoren war ja vor vielen Jahren in Deutschland selbstverständlich. Ich erinnnere mich gerne an Thomas Gottschalk z.B., der zusammen mit seinen Kolleg/innen von Bayern 3 konkurrenzlos gut war, weil er Musik nach seinem Gusto spielte und auch mal anecken durfte. Die Einheitssoße, die man z.B. auf Sendern wie Antenne Bayern oder anderen großen Stationen hört, ist oft nicht mehr zu ertragen, weil sie in notorischer Penetranz nur täglich anders gemischt auf die Ohren (und auf lethargische Hörer?) abgelassen wird.
Meine Bitte an die Programmchefs:
Mehr Mut zeigen, den DJs das Halsband lösen, sie frei laufen lassen. Die offenbar nur wenigen Festplatten vom Zufallsgenerator befreien oder gleich löschen. Und selbst eine "Quote" entweder in das Programm einstreuen oder kompakt auf mehrere (halbe?) Stunden verteilt (bitte nicht um Mitternacht!) dem mündigen Hörer offerieren.
Ich hoffe sehr, dass die laufende Initiative in einer realistischen Form umgesetzt werden kann.
Viele Grüße zurück, Gerd


2. Manfred Schwanbeck
Eintrag 267 vom 13.08.2004, 13:26

Herkunft: Kiel

Oha, lieber Gerd,
mit dem Aufruf auf Deiner Startseite hat man sich aber etwas vorgenommen. Es gibt noch 4 weltweit aktive Major Companies, die eindeutig von den Amerikanern dominiert werden. Diese haben gerade eine Marktanalyse für Deutschland anfertigen lassen und festgestellt, dass von 85% der deutschen Veröffentlichungen im vergangenen Jahr jeweils nur weniger als 25.000 Exemplare verkäuflich waren. Ein vernichtendes Ergebnis! Konsequenz: UNIVERSAL hat 60% ihrer deutschen Künstler "achtkantig" gefeuert. Bei den anderen Plattenfirmen wird es kurzfristig identische Entwicklungen geben. Und das Ganze strahlt zusätzlich auf die übrigen Medien aus: VIVA wird von (mit) MTV geschluckt (fusionieren). Die weltweit agierenden 4 Konzerne setzen künftig ganz (verstärkt) auf internationale (vor allem amerikanische) Künstler, die das in sie investierte Kapital auch locker (international) wieder einspielen!
Die Situation der meisten deutschen Interpreten wird sich zügig als recht hoffnungslos erweisen. Man mag das bedauern, aber diese Tendenzen werden kaum aufzuhalten sein. Ich glaube von daher nicht, dass eine Quotierung (vor allem in der zunehmend privatisierten Medienlandschaft unserer Tage) aktuell irgendeine Chance besitzt. Sorry!
Alles Gute
Manfred

Kommentar vom 13.08.2004, 14:20:

... da hast Du wohl Recht, lieber Manfred.
Leider sind das harte Fakten, die von kapitalstarken Companies und dessen Aktionären diktiert/erwartet werden.
Ich glaube aber, dass eine wie auch immer geartete Quotierung die Nachfrage nach deutschsprachigen Produkten verbessern könnte. Wenn die Leute nix anderes als angloamerikanischen Einheitsbrei hören, ist dies eindeutig ein Informationsdefizit, das zumindest die öffentlich-rechtlichen Funkhäuser gemäß ihrem Auftrag beheben müssen. Sonst machen sie sich selbst überflüssig oder können das Feld gleich privaten Sendern überlassen.
Man sieht ja auch am sog. öffentl.-rechtl. Fernsehen, wie sich das nicht nur musikalische Niveau von Sendungen (abgesehen von 3SAT, ARTE und den dritten Programmen) beständig nach unten entwickelt. Fast schon im freien Fall.
Von dem früheren Niveau sind bestenfalls seltene Oasen übrig geblieben ...
Übrigens läuft der Aufruf natürlich noch auf anderen "Kanälen".
Es grüßt Dich herzlich
Gerd


3. Holger Saarmann
Eintrag 268 vom 16.08.2004, 14:36

Herkunft: Berlin

Hallo miteinander!
Das sind ja ganz brauchbare, faktenhaltige Stellungnahmen zum Thema Deutschquote, besonders die von Manfred Schwanbeck. Ich gestehe, daß angesichts solcher Zahlen auch mein erster Impuls zunächst ist: „Quote muss her!“ Für ein „Ändert eh nix“ bin ich wohl noch zu jung und idealistisch.
Nach längerem Nachdenken bin ich aber zu einer anderen Auffassung gekommen. (Siehe meinen Offenen Brief auf der Unterseite zu Frank Dostals Quotenaufruf.)
Gar nichts halte ich von einer Quote für deutschsprachige deutsche Musik, wie Andy sie eventuell befürworten würde. Wer oder was gäbe mir oder sonstwem das Recht, meine Kollegen in die Schranken ihrer Muttersprache zu weisen?
Es gibt bessere Argumente für den musikalischen Gebrauch der eigenen Muttersprache als eine gesetzliche Maßregelung von oben. Wer etwa gelegentlich für ein Kneipenpublikum musiziert, der weiß, daß englische Lieder ein deutschsprachiges Publikum viel eher zum Weghören animieren als deutsche!
Wer aber seine Stimme nicht als Medium für Botschaften oder Geschichten, sondern als Musik- oder Klanginstrument versteht, der singe bitte mit ganzer Seele englisch - oder sonstwie. (Solange kein Native Speaker den unqualifizierten Missbrauch seiner Sprache beklagt ...)
Deutsche Texte, das kann man anregen oder vormachen - aber nicht erzwingen!
Um die deutsche Medienlandschaft vom Imperialismus der Musikkonzerne zu befreien, wäre eine Radio-Quote für Konzern-unabhängig vertriebene Musik viel sinnvoller als eine Deutschquote:
Damit könnte man Musikjournalisten motivieren, neue Trends und Sounds nicht in den Hochglanzbroschüren von „Universal“, „Sony“ & Co zu suchen, sondern in der Musikszene „vor Ort“. Das nützt dem lokalen und regionalen Musikleben und stärkt die „Kultur von unten“.
Auch müssten deutsche Musiker weniger um ihre Major-Plattenverträge bangen, wenn sie – dank Independent-Quote – auch ohne Konzernhilfe die Aufmerksamkeit der Medien gewännen.
Eine solche Quote würde ich versuchsweise befürworten. Ohne allerdings die Skepsis fahren zu lassen:
Am musikalischen Einerlei in den Medien ist das Volk schuld! 90% der Deutschen dienen Radio & TV als Medium für Hintergrund-Gedudel. Die schalten um, wenn Musik läuft, wo man zuhören muss!
So long!
Holger


4. Manfred Schwanbeck
Eintrag 269 vom 17.08.2004, 09:29

Herkunft: Kiel

Ich denke auch, es dürfen vor allem zwei Dinge nicht vermischt werden: DEUTSCHE Produktionen und deutschSPRACHIGE Veröffentlichungen. Die von mir im vorherigen Beitrag genannten Fakten beziehen sich auf den zuerst genannten Aspekt. Und der ist ja zunächst einmal entscheidend, zumal er der umfassende ist. Er wird auch derjenige sein, der Frank Dostal am Herzen liegt.
Allerdings muss ich hierzu gleichzeitig anmerken, dass mir die Position der Major Companies bezogen auf ein notwendiges Gesundschrumpfen in Deutschland teilweise sogar einleuchtet. Und zwar nicht aus Prinzip, sondern aus den Erfahrungen der letzten Jahre heraus. In Deutschland tickte „die Uhr“ nämlich wirklich extrem anders, als im „Rest der Welt“! Ein (zu) großer Teil der deutschen Produktionen bestand aus Coverversionen alten Materials, das als Techno- oder Hip Hop/Rap-Remakes auf den Markt gebracht wurde und in vielen Fällen ein katastrophales Niveau besaß. Die Radio-Sender, die meine Kiddies hören, klingen wie Oldiesender, die sich auf die Ausstrahlung von Karaoke-Aufnahmen spezialisiert haben. Diese „Sau“ ist in allen anderen Ländern längst „durchs Dorf geritten“.
In Deutschland manifestierte sich das aber regelrecht und hatte zwei entscheidende Konsequenzen: Die Produkte waren immer mehr nur noch für den Teen-Bereich interessant; - dieser neigte aber eher zum kostenlosen Download, als zum kostspieligen Erwerb im Plattenladen. Und die Charts (vor allem die Single-Hitparaden) bevölkerten Interpreten und Soundprojekte, die man 4 Wochen zuvor noch nicht kannte, aber 4 Wochen später bereits wieder vergessen hatte. Es gab also keine wirkliche Suche und Förderung von und nach Talenten, - vor allem bezogen auf das Songwriting.
Die deutschen Segmente der Major Companies verabsäumten es auf diese Weise, wirkliche neue Marken zu schaffen, die über Jahre Bestand haben könnten, - ein elementarer Fehler, der nun zur Folge hat, dass die Produzenten dieses ganzen Bullshit massenweise aus ihren Plattenverträgen entlassen werden und auch die dafür verantwortlichen Manager bei den Labels gehen müssen. Stein von BMG ist nur ein Beispiel. Denn man hat natürlich erkannt, dass die Art und Weise, in der die Casting-Shows in Deutschland durchgezogen wurden, dieses Problem nicht beheben, sondern nur eine Variante der One-Hit-Wonder-Strategie darstellte, die die Techno- und Hip Hop-Szene vorgemacht hatte. Sie orientierten zudem auch nur auf die gleiche Klientel.
Die neueste Entwicklung kann also durchaus eine positive sein, wenn wirklich gesund geschrumpft wird und mit Mühe und Aufwand künftig echte Marken geduldig über die Jahre aufgebaut werden, was die Majors propagieren. Als Problem für die deutschen Künstler wird sich allerdings erweisen, dass ihre Chefetagen sich nunmehr in Übersee befinden und diese vor allem ein Interesse haben, die eigenen „Einkäufe“ zu vermarkten bzw. das in diese investierte Geld wieder herein zu holen. Auch für den deutschen Musikmarkt gilt nämlich: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!
Viele Grüße
Manfred


5. Manfred Schwanbeck
Eintrag 270 vom 17.08.2004, 15:03

Herkunft: Kiel

Noch eine Bemerkung zum Vorschlag einer „konzernunabhängigen“ Quote bei den Sendern. Diese Forderung halte ich für äußerst naiv! Wenn man die Abhängigkeiten der Play-Listen privater wie öffentlich-rechtlicher Sender von den Konzernen durch Werbung und Bemusterung realistisch beurteilt, ist auf diesem Wege und dort keine ernsthafte Kehrtwendung zu erwarten. Da sollte man die Mechanismen des Imperialismus und die sich daraus ergebenden Zusammenhänge und Abhängigkeiten keinesfalls unterschätzen.
Ich könnte mir viel eher vorstellen, dass man (ausgehend von den Künstlern selbst und unterstützt durch eine entsprechende Hörerschaft, die man aber realistischerweise zahlenmäßig zunächst nicht zu hoch ansetzen sollte) eigene/neue Medien/Angebote aufbauen müsste, die sich der Allmacht der Musikkonzerne von vorn herein konsequent widersetzen und über ein qualitativ hochwertiges Alternativ-Programm ihre Anhänger (zunehmend) finden. Die Nischenerfolge von Speziallabels, die sich auf liebevolle Widerveröffentlichungen von 50er- bis 70er-Material verlegt haben oder Weltmusik vertreiben und so den Reflex auf gesampelte (na, sagen wir mal: minderwertige) Klangteppiche bedienen, geben zumindest Anlass zu der Hoffnung, dass es ein Publikum jenseits des Einheitsbreis gibt mit dem wir tagtäglich beschallt werden.
Viele Grüße
Manfred

Kommentar vom 17.08.2004, 17:38:

... es gibt ja schon jetzt gewisse Nischensender oder Internetradios, die eine bestimmte Klientel erfolgreich und auf hohem Niveau bedienen, jedoch bei niedriger Einschaltquote im Vergleich zu anderen Sendern. Wer hat den Mut und damit das unternehmerische Risiko, mit entsprechendem Promotionaufwand einen deutschlandweit aktiven Sender zu installieren, zu unterhalten und, ja mit was, wohl mit Werbung zu finanzieren? Ich glaube immer noch, dass es Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist, ohne Werbezwänge aus bestimmten Kreisen die vorhandene Kundschaft für Musik abseits ausgelutschter Pfade zu begeistern. Ich glaube immer noch an eine relativ große schweigende Minderheit mit einem gutem Musikgeschmack ... Vielleicht könnte dies in das Anliegen der Musiker mit einfließen.
Gruß, Gerd!


6. Gerd Müller
Eintrag 271 vom 19.08.2004, 07:17

Es passt gut in die momentane Diskussion, was der Deutsche Musikrat, der Spitzenverband des deutschen Musiklebens, gestern publizierte:

"Deutscher Musikrat fordert Weiterentwicklung von Hörfunk-Formaten und Sendestrategien - vom 18.08.2004, 09:14

Mit einer Forderung nach weitergehenden Reformen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks insbesondere im Bereich anspruchsvollen Kulturradios hat sich der Deutsche Musikrat erneut in die Diskussion um Gebührenerhöhungen und Hörfunk-Programmreformen eingeschaltet. Der Deutsche Musikrat mit Sitz in Berlin und Bonn vertritt als einer der größten Dachverbände in Deutschland rund 8 Millionen Mitglieder aus den Bereichen Profi- und Laienmusik, musikalische Bildung und Musikwirtschaft.

Übergeordnetes Ziel, so der Deutsche Musikrat, müsse es sein, musikalische Vielfalt in den Kulturradios deutscher Sender verstärkt zu fördern und durch eine breitere Auswahl von Musikangeboten insbesondere auch jüngere Menschen für Kulturprogramme zu gewinnen. Hintergrund der Forderung ist die Befürchtung, dass die Diskussion um Einschaltquoten auch vor den Kulturkanälen nicht halt mache. Bereits heute ist der Bevölkerungsanteil, der mit den Kultur- und Informationsangeboten des öffentlich-rechtlichen Hörfunks erreicht wird, mit 7% äußerst gering. Der Deutsche Musikrat befürchtet eine fortschreitende Veralterung der Hörer anspruchsvoller Hörfunkprogramme; deren Altersdurchschnitt heute bei 55 Jahren liegt, während gleichzeitig immer weniger jüngere Hörerschichten von den Kulturkanälen erreicht werden. Um jüngere Menschen an das Kulturradio heranzuführen, sei der Versuch zu beobachten, Kulturkanäle verstärkt zum Begleitradio zu entwickeln. Man entferne sich dadurch aber von anspruchsvollen musikalischen Konzepten mit der Gefahr einer qualitativen Verflachung bis hin zur Beliebigkeit. Kein Wunder also, wenn sich kulturell anspruchsvolle Hörerkreise enttäuscht abwendeten und den Kulturkanälen verloren gingen.

Dieser Entwicklung, mit der sich öffentlich-rechtliches Kulturradio verstärkt kommerziellen Gesichtspunkten unterzuordnen droht, kann nach Meinung des Deutschen Musikrates sowie der Landesmusikräte der Bundesländer nur durch eine verstärkte Entwicklung anspruchsvoller musikalischer Kulturformate entgegengewirkt werden. Eine Verflachung eines anspruchsvollen Kulturangebotes stelle im übrigen auch eine nicht zu unterschätzende Gefährdung für das gebührenfinanzierte Rundfunksystem in Deutschland mit seinen rd. 7 Mrd. Gebühren dar. Eine Selbsterneuerung von Kulturradio-Sendungen im Sinne einer hohen Qualität sorge dagegen gerade in kulturbewußten und politisch interessierten Hörerkreisen für Akzeptanz und Unterstützung für das System öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten.

Angesichts der rd. 35 Mio Menschen, die täglich mind. ein ARD-Radioprogramm einschalten, erreiche man neue und vor allem junge Hörerkreise für ein Kulturradio nur, indem man sich um die Erschließung und Anbindung neuer Hörerkreise bemühe. Institutionelle Medienpartnerschaften mit musikalischen Einrichtungen, Musik der Verbände und Vereine, Musik der freien Kulturszene, aber auch mehr Musik für Kinder und Jugendliche, aktive Wahrnehmung und Beteiligung an Wettbewerben wie Jugend Musiziert, den Deutschen Chor- und Orchesterwettbewerben, cross-over-Programme aber auch der Ausbau reiner Musikspartenprogramme sind nach Ansicht des Deutschen Musikrates gangbare und erfolgsversprechende Wege, neue Hörerschichten zu gewinnen und die Musikszene des jeweiligen Sendegebietes von Kulturradios zu unterstützen. Auch die Entwicklung und Durchführung eigener Wettbewerbe von Seiten der Rundfunkanstalten könnten in diesem Zusammenhang gute Erfolge zeitigen.

Der Deutsche Musikrat weiß sich mit seinen Forderungen in guter Gesellschaft: nach einer Emnid –Untersuchung und Erkenntnissen der Arbeitsgemeinschaft Media Analyse sind über 77% der Befragten unzufrieden mit einer zu kleinen Titelauswahl öffentlich-rechtlicher Hörfunksender, über 62% möchten mehr Musik mit deutschen Titeln hören. Diese Zahlen reflektieren auch die Tatsache, dass öffentlich-rechtliche Sender kaum noch neue Musik spielen; der Neuheitenanteil liegt bei nur knapp 15%, bei deutschsprachigen Neuheiten sogar nur bei 1,2%. Der Auslandsanteil gemessen an Sendeminuten liegt dagegen bei 70%. Da über 80% der Bevölkerung täglich mehr als 4 Stunden Radio hören, liegen differenziertere Programmangebote andererseits nahe.

Der Deutsche Musikrat und die ihm angeschlossenen Landesmusikräte, die in den Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks tätig sind, beobachten Veränderungen der Hörfunklandschaft und speziell die Entwicklung der Kulturradio-Wellen seit geraumer Zeit und wollen deren Entwicklung auch weiterhin engagiert begleiten. In Gesprächen mit Hörfunkdirektoren wird in den kommenden Monaten verstärkt darauf gedrängt werden, dass die in den Rundfunkstaatsverträgen gebotene kulturelle Vielfalt und Qualität auch im musikalischen Bereich erhalten bleibt und eher aus- statt abgebaut wird."

Viele Grüße an alle, Gerd

P.S.:
Hier der Link zur Website des Deutschen Musikrates:
http://www.musikrat.de/relaunch/index.html


Ein weiteres Diskussionsforum mit dieser Materie habe ich entdeckt: www.aussensaiter.de.
Mehr ...


Wer wissen möchte, wie sich heute Frank Dostal als Aufsichtsrat bei der GEMA für die Musiker engagiert, folge diesem Link.
Es ist auch eine Biografie enthalten.
Mehr ...

und

Hier ...


aktualisiert: 20.08/11.09./08.10./24.12.2004