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Musiker in eigener Sache - Aufruf
Für
eine Quote für Musik aus Deutschland
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Übrigens:
Auf Bayern 3 hört man in letzter Zeit verstärkt
deutsche Musikproduktionen. Z.B. von Westernhagen, Grönemayer, July,
Silbermond, Annett Louisan, Peter Maffay und anderen. Ein Zufall? (10.03.2005)
Der Süddeutschen Zeitung vom 18.12.2004 entnahm ich, dass der
Bundestag von den Rundfunksendern einen höheren Programmanteil mit
deutschen Sängern oder Produktionen erwartet. Am 17.12. ist mit Koalitionsmehrheit
der Antrag von Grünen und SPD mit dem Ziel angenommen worden, dass
eine Quote von annähernd 35 % erreicht wird. Anje Vollmer habe von
einem wichtigen Signal an die Musiker in Deutschland gesprochen. Die Union
setzt sich für mehr Vielfalt im Radio ein, lehnt jedoch eine Radioquote
als "Bevormundung und Zensur" nach "DDR-dirigistischem
Vorbild" ab. Die ARD habe den Beschluss des BT kritisiert, denn Rundfunk
sei Sache der Länder ...
Anmerkung:
Dann hat sich also Frankreich mit seiner Quotenregelung einem "DDR-dirigistischem"
Vorbild unterworfen. Toll! Die ARD hat insofern Recht, dass die Rundfunkhoheit
von den Ländern ausgeübt wird und demzufolge das Ganze wie das
berühmte Hornberger Schießen ausgeht. Zum Nachteil von Musikern,
die ohne eine starke Plattenfirma im Rücken von den öffentlich-rechtlichen
Gedudelsendern nie vorgestellt oder öfter als einmal gespielt werden.
Das mit der Länderhoheit hätte eigentlich auch die Vizepräsidentin
des Bundestages, Antje Vollmer (Die GRÜNEN) als Mitinitiatorin wissen
müssen. So gab es einige Fensterreden, und das war's wohl. Die Gelackmeierten
sind die über 500 Künstler, die sich mit ihrer beispiellosen
Aktion wohl etwas anderes vorstellten. Ein Appell nützt doch nicht
die Bohne ... (24.12.2004)
Die Süddeutsche Zeitung vom 24.12.2004 befasst sich in ihrer
Weihnachtsausgabe nochmals ausführlich mit der Quotenregelung nach
der Bundestagssitzung. Auf der Seite 2 widmet sie dem Thema über
eine 3/4-Seite. Es wird die Entwicklung vor allem der privaten Rundfunksender
zum sog. Formatradio erklärt. Und was erschütternd ist, dass
die meisten Rundfunkstationen sage und kaum glaube nur zwischen 180 und
höchstens 600 Musikstücken auf ihrer Festplatte haben, so dass
praktisch jeden halben Tag das komplette Programm rauf und runter gedudelt
wird (Jargon: "Dudelfunk"). Star-Fotograf Jim Rakete wird interviewt.
Eine wichtige Kernaussage von ihm ist, dass man die öffentlich-rechtlichen
Sender an ihren Kultur- und Informationsauftrag erinnern müsse und
die privaten, dass sie zur Vielfalt verpflichtet sind. Hans-Jürgen
Kratz als Vorsitzender des Fachbereichs Hörfunk beim Verband privater
Rundfunk und Telekommunikation findet den Anteil von 9,2 % deutschsprachiger
Musik an den 200 - 600 Titeln, die Privatstationen im Programm haben nicht
schlecht. Dahinter verstecken sich zurzeit Titel wie Juli mit der "perfekten
Welle" oder Silbermond. Einen Udo Lindenberg brauche man nicht, den
würde ja aus gutem Grund keiner mehr spielen. Die SZ fragte ihn,
dass das öffentliche Bild vom Radio so schlecht wie nie zuvor sei.
Seine Antwort lautet sinngemäß, dass entweder der Geschmack
der Leute total verirrt sein (!!!) oder die Sender genau da spielen würden,
was die Menschen hören möchten.
Alles klar? Dran schuld sind also wir. Ich kann leider keine Auszüge
aus dem langen, informativen Artikel der Zeitung bringen, weil die Wiedergaberechte
sehr teuer eingekauft werden müssen. Das ist für eine nichtkommerzielle
und ideelle Seite wie der meinen nicht erschwinglich. Ich empfehle deshalb,
bei Interesse sich die Ausgabe der SZ zu besorgen. Die Print-Presse muss
man wirklich loben, weil sie sehr ausgewogen über die Problematik
berichtete. Ob sich allerdings etwas Entscheidendes ändern wird,
ist fraglich ...
Aber wir dürfen nicht aufhören, den Stachel ins Fleisch der
arrogant auftretenden Vertreter des öffentlich-rechtlichen wie privaten
Rundfunks zu stechen.
Danke Holger Saarmann für die Übermittlung des offenen Briefes
von Fritz Wiehe an Reinhard Lakomy nach dessen Leserbrief in der Berliner
Zeitung (19.10.04)
Fritz Wiehe, Brehmestraße 10, 13187 Pankow, Tel.: 494 00
785, eMail: kinder-des-ahorn@web.de, 11.10.2004
OFFENER BRIEF AN REINHARD LAKOMY (weil auf seiner Homepage keine Kontaktmöglichkeit
angegeben ist)
als Antwort auf seinen Leserbrief in der Berliner Zeitung
vom 09.10.2004, hier ein Auszug:
Ich bin seit 30 Jahren Abonnent der Berliner Zeitung, doch
nun eher gewillt, diesem Blatt zu kündigen. Grund dafür ist
Ihre diffamierende Darstellung des Begehrens vieler namhafter Künstler
und Politiker für eine Quote deutschsprachiger Musik. Da ist die
Rede von abgehalfterten Deutschrockern wie Peter Maffay, Udo Lindenberg
oder der Band City, dann: und den untoten Ostzonenrockern
von City hülfe allenfalls eine Regelung für Musik von ehemaligen
Bürgern der DDR. Im gleichen Text von Jens Balzer werden Antje
Vollmer und alle Politiker, welche die Quote befürworten, in die
Nähe der NPD gerückt. Für mich ist das Bild-Zeitungsniveau
und zeigt, daß hiesigen Künstlern nicht der geringste Respekt
gezollt wird.
Auf der Titelseite werden Maffay, Lindenberg und May als Rentnerband tituliert
(...). Genau so eigenartig sind die Aussagen des Herrn Wolfgang Clement
als Bundeswirtschaftsminister und der Kulturstaatsministerin Christina
Weiss, denen es offenbar egal ist, ob unsere Urheberrechtsgesellschaft,
die Gema, Tantiemen an amerikanische oder deutsche Künstler zahlt.
Die Amerikaner wissen seit langem, offenbar ganz im Gegensatz zu diesen
politischen Tunichtguten, daß Musik ein immenser Wirtschaftsfaktor
ist. Jeder, der einmal ohne gültige Arbeitserlaubnis in Amerika mit
einem Musikinstrument im Gepäck eingereist ist, weiß, daß
dieses gleich auf dem Flughafen konfisziert wird.
Freilich ist ein Opportunist wie Nooke (CDU) eher gewillt, die Fahne in
den Wind der Amerikaner zu hängen als Vollmer, die längst begriffen
hat, daß Entmündigung und Bevormundung im eigenen Land durch
die Übermacht und dem daraus folgenden Diktat der amerikanischen
Unterhaltungskonzerne ein bedrohliches Ausmaß angenommen hat. (...)
Kurz und knapp: Von der Quote würden vorrangig deutschsprachige Künstler
und kleine Platten-Label profitieren, zweitrangig erst die großen,
denn die machen sich erfahrungsgemäß erst an jene Künstler
heran, die bereits Erfolg haben. Einheitsfraß verdirbt den Geschmack,
und die meisten merken das nicht einmal. (...)
Die Natur lehrt uns überall, daß gegen Wildwuchs und Wucherungen
(...) kräftige Schnitte (...) immer (helfen).
> Werter Lacky (als Kollege erlaube ich mir, Sie zu duzen),
wer seit 30 Jahren Abonnent der Berliner Zeitung ist, darf
sich mit einigem Recht als geschädigt betrachten, vor allem seit
der Wende der zu Gruner + Jahr Mitte der Neunziger, meine ich.
Jens Balzer ist da nur die Spitze des Gipfels. Der geht beileibe nicht
nur mit deutschnationalen Musikern respektlos um, und bemerkenswert ist
an der Stelle lediglich, daß du das erst merkst, als er dich so
behandelt wie Andere, deutsche und sonstige. Der interessiert sich für
Musik so wenig, wie seine Chefredaktion sich für Politik interessiert,
und ist also für das Blatt absolut qualifiziert, denn was einem Demokratiedarsteller
eine saftige unhaltbare Denunziation, das ist dem Feuilletonisten eine
sinnlose Pointe.
Aber lassen wir den. Kommen wir zum Eigentlichen:
Als Dichter, der seine Wortklaubereien auch mit musikalischen Mitteln
transportiert, fühle auch ich mich von der medialen Mitte zu Unrecht
links liegengelassen. Ich würde gerne was dagegen unternehmen, und
ich kenne eine Menge Künstler, die bei weitem besser sind, als die,
die dauernd gedudelt werden, und die wesentlich mehr Beachtung verdient
hätten. Aber diese Quotendiskussion macht mir Angst begründet,
wie dein Leserbrief mir drastisch vor Augen führt.
Du willst nicht in die Nähe der NPD gerückt werden.
Gut, das kann ich verstehen, das ist schließlich nicht nötig,
solange Antje Vollmer noch bei den Grünen predigt. Wobei, die stufe
ich auch nicht als rechtsradikal ein, eher als treudoof, daß sie
sich vor so einen nationalistischen Karren spannen läßt. Hast
du deinen Brief eigentlich selbst gelesen oder nur unterschrieben? Lies
ihn mal. Ich helfe dir ein bißchen:
- Clement und Weiß sei es offenbar egal, ob (...) die Gema
Tantiemen an amerikanische oder deutsche Künstler zahlt. Das
hoffe ich doch sehr, Lacky, das hoffe ich doch sehr! Im Übrigen,
weil du ja noch nicht so lange im deutschen Kapitalismus wohnst, sei dir
mitgeteilt: einem/r deutschen Minister/in ist ohnehin egal, wer wem wann
was zahlt, hauptsache er und sie wird fett dabei und er/sie wird nicht
dabei erwischt, vom Volk z.B..
- Die Amerikaner machen es, deiner Meinung nach, richtig:
sie schotten ihren Musikmarkt vor Fremdländischem ab.
Die Deutschen dagegen haben nur ihre politischen Tunichtgute
... ja, nicht nur das, möchte ich dir beiflichten, die
Amerikaner bauen sich sogar einen nuklearen weltraumgestützten Schutzschirm.
- Und jetzt bitte ich dich inständig, lieber Lacky, lies dir den
folgenden Satz selbst noch zwei-, dreimal durch, damit du argumentativ
auf deiner eigenen Höhe bist, wenn die NPD-Werber an deiner Haustüre
klingeln: (...) ein Opportunist wie Nooke (ist) eher gewillt, die
Fahne in den Wind der Amerikaner zu hängen als Vollmer, die längst
begriffen hat, daß Entmündigung und Bevormundung im eigenen
Land durch die Übermacht und dem daraus folgenden Diktat der amerikanischen
Unterhaltungskonzerne ein bedrohliches Ausmaß angenommen hat.
Sach ma, weiß eigentlich der Reinhard May, was du in deiner Freizeit
so von dir gibst und daß du in deinem eigenen Land bevormundest
wirst? Andererseits, wer wünscht sich niciht ein eigenes Land ...
Kurz und knapp, Reinhard Lakomy: wenn das das Gedankenschlecht ist, auf
dem die Quote gedeiht, dann bleib mir damit von der Pelle, mal abgesehen
davon, daß ich mir so manchen deiner Mitquotisten nur mit Grausen
quotengefördert vorstellen möchte.
Wie gesagt, ich wünschte mir, die Medien kümmerten sich mehr
um die Klein-Künstler und Einkommen aber auf keinen
Fall, weil die sich auf eine bestimmte Art und Weise ausdrücken.
Die deutsche Sprache ist mein Arbeitsmaterial. Ich benutze es, weil ich
es einigermaßen beherrsche und mit ihm meine Bilder malen kann,
wie ein Maler z.B. schwerpunktmäßig in Öl spricht.
Zu guter Letzt will ich dir aber auch einmal aus tiefstem Herzen zustimmen:
Einheitsbrei verdirbt den Geschmack. Das wußte ich allerdings
schon vor 1989.
Fritz Wiehe
Fritz Wiehe hat heute folgende Eintrag ins Gästebuch
der Musicpage gemacht:
Eintrag 296 vom 22.10.2004, 07:33:
Hallo Gerd, noch ein, zwei Sätze zu meinem "offenen Brief an
Lakomy". Ich muß was richtig stellen: Ich bin in der Quotenfrage
ganz und gar nicht engagiert, allerdings in der Nationalismusfrage. Ich
verschicke monatlich einen "kulturpolitischen Rundbrief". In
der Nr. 1, Oktober 04, befaßte ich mich mit dem Thema (ich kann
ihn Interessierten noch zuschicken). Der Lakomy stieß mir in diesem
Zusammenhang auf. Allerdings hat mir gerade gestern ein befreundeter DDR-Liedermacher,
der den Lakomy persönlich kennt, wortreich klarmachen wollen: der
ist gar nicht so ... wenn du den kennen würdest ... usw. Aber ich
kenne nur ein paar Kinderlieder und genau diesen Brief von ihm. Es ist
nicht meine Schuld, wenn er nicht sagt, was er ist. Mein Brief, darauf
kannst du Gift nehmen, ist ich.
Alles Gute. Fritz
Mein Kommentar vom 22.10.2004, 08:28:
Hallo Fritz, danke für die Ergänzungen. Ich stelle gerne deine
Anmerkungen noch auf die Seite mit der Quote, ja? Auf jeden Fall war der
"Disput" nachdenkenswert und wichtig! Auch dir alles Gute weiterhin,
Gerd
Bitte beachtet auch die weiteren Einträge ins GB zur Quotenregelung
...
Popkomm:
Musiker und Politiker streiten um Radioquote für deutsche Musik -
29. September 2004:
Zum Auftakt der Popkomm in Berlin ist zwischen Künstlern, Plattenbossen,
Politikern und Senderverantwortlichen ein Streit um eine Radioquote entbrannt.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) versetzte den Hoffnungen
der Industrie auf eine gesetzliche Quote für Musik aus Deutschland
gleich zu Beginn der Musikmesse einen Dämpfer. Clement plädierte
am Mittwoch in seiner Eröffnungsrede zur 16. Popkomm für eine
freiwillige Vereinbarung zwischen Sendern und Musikbranche.
Udo Lindenberg trat dem auf einer Pressekonferenz in Berlin entgegen.
Nur wenn Musik aus Deutschland ein fester Anteil am Programm garantiert
werde, hätten Nachwuchskünstler eine Chance, sagte er im Namen
der 500 Künstler umfassenden Initiative Musiker in eigener
Sache. Die Initiative fordert eine 50:50-Quote in deutschen Radios.
50 Prozent eines Radioprogramms sollten demnach für Newcomer reserviert
sein, und davon noch einmal die Hälfte für Künstler aus
Deutschland. Eine Quote ist dringend nötig, um Talente zu fördern,
sagte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt.
Vereinte Front der Sender
Doch öffentlich-rechtliche wie auch private Sender bilden eine vereinte
Front gegen die Quote, notfalls wollen die Privatsender sogar Verfassungsklage
einreichen. In einer Anhörung des Bundestages zu dem Thema gerieten
die ARD und der Vertreter der Privatsender am Mittwoch jedoch deutlich
unter Druck. Sie mußten sich bohrenden Nachfragen aller Fraktionen
stellen, die vor allem an den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks erinnerten.
Unser Kriterium ist der Hörer und kein Lobbyistenverband,
meinte der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission, Gernot Romann (NDR).
Deutsche Künstler hätten nun einmal nicht die gleiche Akzeptanz
wie englischsprachige Künstler bei den Hörern. Parteien
können nicht bestimmen, was die Hörer hören sollen.
Hans-Jürgen Kratz vom Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation
betonte, eine Quote würde den Marktmechanismus außer Kraft
setzen und die privaten Sender zwingen, unwirtschaftlich zu arbeiten und
damit Arbeitsplätze abzubauen.
Leidenschaftliches Plädoyer aus Frankreich
Mit leidenschaftlichen Worten setzte sich in der Anhörung der frühere
französische Kulturminister Jacques Toubon für eine einheimische
Musikquote in den Rundfunksendern ein. Er verwies auf die sehr positiven
Erfahrungen in seinem Land seit der Einführung einer solchen
gesetzlichen Quote am 1. Januar 1994. Neue Künstler hätten Profilierungschancen
erhalten und der Verkauf französischer Platten sei um das Mehrfache
gestiegen. Unter starkem Beifall im Anhörungssaal des Parlaments
sagte der Kulturpolitiker: Sie machen in Deutschland große
Anstrengungen, ihre klassische Musiktradition zu bewahren und zu schützen.
Ich glaube, daß man die deutsche Popmusik nicht schlechter stellen
darf.
Frankreich ist das Partnerland der Popkomm, die zum ersten Mal in Berlin
gastiert. Nach neuesten Angaben sind 663 Aussteller aus 41 Ländern
in den Messehallen am Funkturm vertreten - knapp 50 mehr als im vergangenen
Jahr in Köln, wo die Zahlen von Fachbesuchern und Ausstellern eingebrochen
waren. Text: dpa
Die "Süddeutsche Zeitung" widmete dem Thema in
ihrer Ausgabe vom Freitag, 10. September 2004, sage und schreibe eine
ganze Seite. Titel: "Eine Quote für den deutschen Pop".
Mit einem Interview der Bundestagsvizepräsidentin und kulturpolitischen
Sprecherin der Frakton von Bündnis 90/Die Grünen, Antje Vollmer.
Sie ist auch Mitinitiatorin der Bundestagsanhörung zur Radioquote
für deutsche Musik am 29. September und befürwortet deren Einführung.
In einem längeren, sehr informativen und wohl begründeten Interview
macht sie interessante Ausführungen.
Die "Contra Musikquoten"-Position nimmt ausgerechnet ein Vertreter
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Johannes Grotzky (seit 2002
Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks) ein. Unter dem Motto:
'Deutsche Musik ist nicht per se gut'. In extrem arroganter Weise stellt
er die Frage, ob wir kulturpolitisch einen Zentralstaat oder einen föderalen
Staat haben. Und weiß sich angeblich mit ALLEN öffentlich-rechtlichen
und privaten Sendern einig, dass es keine Quote geben darf. Ich kann mir
wieder einmal die Frage nicht ersparen, wieso wir überhaupt noch
mit einer teuren Zwangsalimentierung durch die Bürger öffentlich-rechtliche
Sender brauchen, wenn sie ihrer Verpflichtung, die Hörer allumfassend
und ausgewogen zu informieren, nicht mehr nachkommen (wollen). Sie merken
nicht, dass der Ast, auf dem sie (noch) bequem mit öffentlichen Mitteln
ausgestattet sitzen können, immer dünner wird ...
Leider kann ich die Seite der SZ nicht direkt widergeben, da hierfür
horrende Preise auch nur für kurzfristige Abdrucke verlangt werden.
Damit dient man leider der Sache nicht und behindert die Weiterverbreitung.
Es ist jedoch dankenswerter Weise ein Link auf der "Musiker in eigener
Sache"-Site angeführt (http://www.the-berliner.com/musiker_in_eigener_sache).
Dort kann man sich auch die Texte downloaden.
Mehr
...
(Hier sind viele Links nutzbar, die auch den aktuellen Stand wiedergehen
...)
Hier der SZ-Beitrag von Johannes Wilms.
Mehr
...
Ferner ist in der SZ ein interessanter Artikel über die seit 1994
in Frankreich bestehende Quotenregelung für französischsprachige
Musik enthalten, der leider auf der genannten Website nicht eingesehen
werden kann. Dagegen die Stellungnahme von Antje Vollmer:
Mehr
...
Ich werde weiter dieses
Thema weiter im Auge behalten und darüber berichten
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Frank Dostal und
Jim Rakete (sowie Edith Jeske) haben sich mit folgendem
Aufruf an die Öffentlichkeit gewandt:
- Am 29. September 2004 wird im Bundestag
eine öffentliche Anhörung zum Thema QUOTE FÜR
MUSIK AUS DEUTSCHLAND stattfinden. Das wird die letzte Gelegenheit
sein, die skandalöse Unterrepräsentation der Musik von
deutschsprachigen Künstlern in deutschen Rundfunk- und Fernsehprogrammen
zu beheben.
- Auswertungen der vergangenen Jahre belegen, dass die deutsche
Musikszene in den Medien kaum noch vorkommt. In einigen Sendern
liegt die Quote deutscher Neuvorstellungen bei gerade noch einem
Prozent. Anstelle der versprochenen Vielfalt haben wir in den Sendern
einen Formatmix aus anglo-amerkanischem Mainstream und den üblichen
Oldies. Der Kulturauftrag von ARD und ZDF wie auch ihre Informationspflicht
über Neues werden vernachlässigt, als gäbe es überhaupt
keine eigene Musikszene mehr. Die einzige Ausnahme bilden Musiker,
die von lokalen Radiostationen in wenigen Fällen zu überregionaler
Bedeutung hochgesendet wurden.
- In unserer Mediengesellschaft wird nur wahrgenommen, was
gesendet wird. Längst finden junge Künstler bei den Plattenfirmen
keine Verträge mehr, weil die Marketingabteilung keine Medienplattform
mehr für sie sieht. Zusätzlich verschärft wird das
Problem durch die Strategie der globalisierten Muskkonzerne: Immer
weniger weltumspannende Firmen setzen auf einen immer kleineren
Nenner von Musik aus ihrem dominanten anglo-amerikanischen Repertoire.
- Plattenfirmen vermitteln durch die Produktion von Musik
auch Kultur und suchen dafür einen Markt. Einen originären
Kulturauftrag haben sie nicht. Diesen Kulturauftrag aber haben ausdrücklich
die Radio- und TV-Stationen, die ihren Statuten nach nicht nur über
deutsche Kultur und Musik berichten, sondern diese auch senden müssen.
- In keinem europäischen Land spiegeln die Programme
von TV und Radiosendern so wenig das Schaffen der Künstler
der eigenen Region wider wie bei uns. Wie soll sich eine musikalische
Kultur weiterentwickeln, wenn sie dem eigenen Publikum gar nicht
erst angeboten wird?
- MUSIKER IN EIGENER SACHE wollen die Chancengleichheit für
künftiges Talent in den Medien wieder herstellen. In Nachbarländern
- allen voran in Frankreich und der Schweiz - gibt es schon eine
vernünftige Quote, die die Rundfunkanstalten dazu anhält,
ihre eigenen selbstverständlich in den eigenen Medien zu repräsentieren.
- Wir finden: es muss wieder möglich sein, Musik aus
Deutschland in den Medien zu hören. Die Quote zugunsten der
Musik von deutschsprachigen Künstlern ist eine Notwendigkeit,
weil sie das einzige politische Mittel ist, eine Chancengleichheit
in den Medien wieder herzustellen.
- Wir fordern die Sender auf, die kreative musikalische Landschaft
Deutschlands und Europas deutlich und konturenreich wiederzugeben.
Wir fordern mehr Musik von hier!
Ich unterstütze diesen Aufruf von
MUSIKER IN EIGENER SACHE für eine QUOTE FÜR MUSIK AUS
DEUTSCHLAND!
> Bitte diese Zeile mit Name, evtl. Bandangabe, Adresse u.
Unterschrift an Jim Rakete per Fax: 030-88456338 oder Wittelsbacher
Str. 18, 10707 Berlin, einsenden!
Für Rückfragen hier die Telefon-Nr.
von Frank Dostal: 040-4102161 sowie seine Mailanschrift: Hier
...
Frank Dostal ergänzt noch dazu:
Guten Tag !
Textdichter, Komponisten und Musikanten aus ganz Deutschland haben
sich zusammengefunden zu einer Arbeitsgruppe namens Musiker
in eigener Sache.Aus gegebenem Anlaß haben wir einen
dringenden Aufruf verfaßt, in dem wir MEHR MUSIK VON
HIER ! im Radio, eine Quote für Musik aus Deutschland
fordern.Am 27. September 2004 findet unter Teilnahme namhafter und
erfolgreicher Mitstreiter in Berlin (exakter Ort und Zeit folgen)
eine Pressekonferenz zum Thema statt , am 29. September 2004 von
15 - 18 Uhr eine sog. Anhörung zum Thema im Ausschuß
für Kultur d. Deutschen Bundestages (Einlaß nur mit Personalausweis).
Es ist höchste Zeit für MEHR MUSIK VON HIER !
Wir sind schon viele. Mehr ist besser.
Wenn Du/Sie selbst kein Urheber bzw. Musikant bist/sind:
dies bitte flugs an solche weiterleiten. Danke. Friede sei mit uns
- Frank Dostal
... und Edith Jeske:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
folgendes leite ich an euch weiter (Anmerkung: den Aufruf ...) -
mit der innigen Bitte, euch zu beteiligen. Es geht um unsere gemeinsamen
Interessen!
Liebe und herzliche Grüße, Eure Edith Jeske
Wie mir Frank Dostal
am 25.07.04) weiter mitteilte, möchte er gerne präzisiert
wissen, dass er natürlich auch die Musik meint, die hierzulande
produziert wird. Also auch Produktionen anderer Nationalitäten
...
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Eine
Antwort habe ich schon von Holger Saarmann erhalten.
Er schreibt in seinem offenen
Brief:
Lieber Frank Dostal!
Lieber Jim Rakete!
Von einem Freund und Kollegen in Hamburg
erhielt ich Euern Aufruf zur Radio-Quote.
Als Musiker werde ich in der "Szene" gern den "Liedermachern"
zugerechnet. Meine derzeit favorisierten Selbstbezeichnungen sind "Sammelsänger"
und "Asphaltbarde". Unterwegs bin ich mit Gitarrenballaden aus
neun Jahrhunderten (wobei das aktuelle Jahrhundert durch meine eigenen
Lieder repräsentiert wird), mit leisen, manchmal melancholischen
Klängen, mit deutschen und anderssprachigen Liedern.
Ich kann mich eigentlich nicht beklagen: Ich habe einen "Fan"
in der Berliner Rundfunkszene, der in seiner Folksendung hin und wieder
Musik von mir spielt. Dennoch spiele ich meine Konzerte meist vor einer
Handvoll Publikum.
Ist daran der musikmediale Imperialismus schuld?
Eure Quotenforderung macht mich skeptisch:
"Mehr Musik von hier", das bedeutet vor allem: Mehr Dieter Bohlen,
mehr Ralf Siegel, mehr Wildecker Herzbuben um nur einige deutsche
Namen aus jener Zeit zu nennen, als ich mir das Radiohören abgewöhnte.
Ob das deutsche Funk-und Fernseh-Gedudel in oder außerhalb Deutschlands
produziert wird, ist mir folglich egal.
Aber nicht ganz egal, denn:
Ohne Quote laufen wenigstens noch ab und zu Tom Waits, Björk, Goran
Bregovic oder Cassandra Wilson im deutschen Funk glaube ich. Die
ersten nichtdeutschen Quoten-Opfer wären Querkopf-Musiker wie diese.
Und warum?
Weil die Einschalt-Quoten der Funk- und Fernsehanstalten bei jeder - auch
deutschen! - musikalisch progressiven Unterbrechung des dudelnden Einerleis
sinken.
Als leiser, Label-loser Kleinkünstler habe ich in der deutschen Musik-
& Medienwelt ohnehin keine Lobby. Daran wird auch eine Deutschquote
nichts ändern. Eher wäre diese ein schlechtes Vorbild für
andere Länder, in denen ich mich als Musiker für Konzerte bewerbe.
Wollten alle Länder wie Deutschland eine nationale Quote einführen,
hätte ich dort mit meinen ohnehin nicht mehrheitsfähigen Klängen
keine Chance mehr.
Veranstalter im quotengeregelten Nachbarland Frankreich antworten nicht
einmal auf meine Anfragen!
Ich lasse mich nicht für die Geschäftsinteressen deutscher Medien-Herzbuben
mit vor einen Karren spannen, in dem vielleicht mein eigener Grabstein
transportiert wird!
Ich fordere eine Quote für unerhörte Klänge und intime
Gesänge, für Musik, die atmet, die zum Zuhören zwingt oder
zum Putsch gegen das allumfassende Einerlei bläst. Egal woher und
in welcher Sprache.
Dazu wünsche ich mir ein Volk, das mit mir die Liebe zu solcher Musik
teilt. Und viele gleichgesinnte Nachbarvölker, für die die nationale
Herkunft der Musiker kein Kriterium ist.
Zur Diskussion gestellt ...
Freundliche Grüße - Holger Saarmann - Berlin
PS:
Ein ganz pragmatischer Gedanke sei noch angehängt:
Wie wäre es mit einer Radio-Quote für sogenannte Independent-Musik
(d.h. für Musik, die nicht von Konzernen oder großen Labels
vertrieben wird)?
Anmerkung von Gerd Müller:
Bitte beteiligt euch zahlreich mit Reaktionen an diesem Aufruf. Bitte
auch hierfür das Gästebuch nutzen. Danke! (25.07.2004). Siehe
auch "Juwelenstory" über Volker Saarmann! Und die Story
über die Band WONDERLAND, bei der u.a. Frank Dostal entscheidend
mitwirkte.
Gerds Musicpage schließt sich diesem Aufruf durch dessen Veröffentlichung
an, findet aber auch die Argumente von Herrn Saarmann diskussionswürdig.
Wenn man überlegt, dass z.B. der Plattenkonzern BMG wegen der schlechten
Ertragslage fast alle deutschen Künstler von ihren Verträgen
"befreien" möchte, gewinnt der Aufruf nochmals an Dramatik.
Die
bisher im Gästebuch eingetragenen weiteren Meinungen habe ich hier
der besseren Übersicht halber nochmals reinkopiert - in chronologischer
Reihenfolge (der älteste Beitrag zuerst):
1. Andy
Eintrag 265 vom 13.08.2004, 08:07
Hallo Gerd!
Ich muss gestehen, dass ich einer Quotenregelung für in Deutschland
produzierte Musik skeptisch gegenüber stehe. Zum einen ganz grundsätzlich,
weil ich von Quotenregelungen wenig halte. Zum anderen, weil dieser Aufruf
ganz allgemein in Deutschland produzierte Sachen fördern möchte.
Wenn er sich auf deutschsprachiges konzentrierte, könnte ich einen
kulturellen Anspruch erkennen. Aber in Deutschland produziertes...?! Das
riecht mir verdammt nach einem kulturfreien Aufruf, der lediglich darauf
hin arbeitet die Kohle doch bitteschön im eigenen Land zu lassen.
Was würde ein auf diese Weise quotenregulierter Radiosender denn
spielen? Wahrscheinlich noch mehr englischsprachige Popmusik aus dem Hause
Bohlen. Danke!
In meinen Augen gibt es nur einen Weg aus dem Dilemma des ängstlichen
Radio-Einheits-Breis:
Wir brauchen an den Radio-Mikrophonen wieder Moderatoren, die keine Angst
haben müssen bei einem falschen Wort direkt gefeuert zu werden. Und
vor allem: Wir brauchen dort wieder musikbegeisterte Moderatoren, die
die gespielte Musik selber aussuchen dürfen und die auch bei
der Titelwahl keine Angst haben müssen!
Das brächte wieder ein wenig unkontrollierte Freiheit und Vielfalt!
Aber oje! Ich seh bei den Programm-Chefs schon den Angstschweiß
über die Stirn laufen...
Falls Du das nicht schon kennst, hör doch mal hier rein:
RÜCKRAD
Gruß, Andy
Kommentar vom 13.08.2004, 11:10:
Hi Andy vom jetzt sehr aktuellen Rock-Olymp!
Danke für Deine engagierten Zeilen zur Problematik einer Quotenregelung
für deutschsprachige Künstler bzw. deutsche Produktionen in
Funk- und Fernsehmedien. Sie zeigen auch, wie vielschichtig und damit
wohl kaum zufriedenstellend die Problematik zu lösen ist. Holger
Saarmann hat ja schon auf der Begrüßungsseite in einem ausführlichen
Statement geschildert, wie sich dann die Lage Lobby-loser Künstler
darstellen würde. Du hast Recht: Mehr Bohlen & Co. können
wir uns wirklich sparen...
Dein Vorschlag mit auswahlfreien Moderatoren war ja vor vielen Jahren
in Deutschland selbstverständlich. Ich erinnnere mich gerne an Thomas
Gottschalk z.B., der zusammen mit seinen Kolleg/innen von Bayern 3 konkurrenzlos
gut war, weil er Musik nach seinem Gusto spielte und auch mal anecken
durfte. Die Einheitssoße, die man z.B. auf Sendern wie Antenne Bayern
oder anderen großen Stationen hört, ist oft nicht mehr zu ertragen,
weil sie in notorischer Penetranz nur täglich anders gemischt auf
die Ohren (und auf lethargische Hörer?) abgelassen wird.
Meine Bitte an die Programmchefs:
Mehr Mut zeigen, den DJs das Halsband lösen, sie frei laufen lassen.
Die offenbar nur wenigen Festplatten vom Zufallsgenerator befreien oder
gleich löschen. Und selbst eine "Quote" entweder in das
Programm einstreuen oder kompakt auf mehrere (halbe?) Stunden verteilt
(bitte nicht um Mitternacht!) dem mündigen Hörer offerieren.
Ich hoffe sehr, dass die laufende Initiative in einer realistischen Form
umgesetzt werden kann.
Viele Grüße zurück, Gerd
2. Manfred Schwanbeck
Eintrag 267 vom 13.08.2004, 13:26
Herkunft: Kiel
Oha, lieber Gerd,
mit dem Aufruf auf Deiner Startseite hat man sich aber etwas vorgenommen.
Es gibt noch 4 weltweit aktive Major Companies, die eindeutig von den
Amerikanern dominiert werden. Diese haben gerade eine Marktanalyse für
Deutschland anfertigen lassen und festgestellt, dass von 85% der deutschen
Veröffentlichungen im vergangenen Jahr jeweils nur weniger als 25.000
Exemplare verkäuflich waren. Ein vernichtendes Ergebnis! Konsequenz:
UNIVERSAL hat 60% ihrer deutschen Künstler "achtkantig"
gefeuert. Bei den anderen Plattenfirmen wird es kurzfristig identische
Entwicklungen geben. Und das Ganze strahlt zusätzlich auf die übrigen
Medien aus: VIVA wird von (mit) MTV geschluckt (fusionieren). Die weltweit
agierenden 4 Konzerne setzen künftig ganz (verstärkt) auf internationale
(vor allem amerikanische) Künstler, die das in sie investierte Kapital
auch locker (international) wieder einspielen!
Die Situation der meisten deutschen Interpreten wird sich zügig als
recht hoffnungslos erweisen. Man mag das bedauern, aber diese Tendenzen
werden kaum aufzuhalten sein. Ich glaube von daher nicht, dass eine Quotierung
(vor allem in der zunehmend privatisierten Medienlandschaft unserer Tage)
aktuell irgendeine Chance besitzt. Sorry!
Alles Gute
Manfred
Kommentar vom 13.08.2004, 14:20:
... da hast Du wohl Recht, lieber Manfred.
Leider sind das harte Fakten, die von kapitalstarken Companies und dessen
Aktionären diktiert/erwartet werden.
Ich glaube aber, dass eine wie auch immer geartete Quotierung die Nachfrage
nach deutschsprachigen Produkten verbessern könnte. Wenn die Leute
nix anderes als angloamerikanischen Einheitsbrei hören, ist dies
eindeutig ein Informationsdefizit, das zumindest die öffentlich-rechtlichen
Funkhäuser gemäß ihrem Auftrag beheben müssen. Sonst
machen sie sich selbst überflüssig oder können das Feld
gleich privaten Sendern überlassen.
Man sieht ja auch am sog. öffentl.-rechtl. Fernsehen, wie sich das
nicht nur musikalische Niveau von Sendungen (abgesehen von 3SAT, ARTE
und den dritten Programmen) beständig nach unten entwickelt. Fast
schon im freien Fall.
Von dem früheren Niveau sind bestenfalls seltene Oasen übrig
geblieben ...
Übrigens läuft der Aufruf natürlich noch auf anderen "Kanälen".
Es grüßt Dich herzlich
Gerd
3. Holger Saarmann
Eintrag 268 vom 16.08.2004, 14:36
Herkunft: Berlin
Hallo miteinander!
Das sind ja ganz brauchbare, faktenhaltige Stellungnahmen zum Thema Deutschquote,
besonders die von Manfred Schwanbeck. Ich gestehe, daß angesichts
solcher Zahlen auch mein erster Impuls zunächst ist: Quote
muss her! Für ein Ändert eh nix bin ich wohl
noch zu jung und idealistisch.
Nach längerem Nachdenken bin ich aber zu einer anderen Auffassung
gekommen. (Siehe meinen Offenen Brief auf der Unterseite zu Frank Dostals
Quotenaufruf.)
Gar nichts halte ich von einer Quote für deutschsprachige deutsche
Musik, wie Andy sie eventuell befürworten würde. Wer oder was
gäbe mir oder sonstwem das Recht, meine Kollegen in die Schranken
ihrer Muttersprache zu weisen?
Es gibt bessere Argumente für den musikalischen Gebrauch der eigenen
Muttersprache als eine gesetzliche Maßregelung von oben. Wer etwa
gelegentlich für ein Kneipenpublikum musiziert, der weiß, daß
englische Lieder ein deutschsprachiges Publikum viel eher zum Weghören
animieren als deutsche!
Wer aber seine Stimme nicht als Medium für Botschaften oder Geschichten,
sondern als Musik- oder Klanginstrument versteht, der singe bitte mit
ganzer Seele englisch - oder sonstwie. (Solange kein Native Speaker den
unqualifizierten Missbrauch seiner Sprache beklagt ...)
Deutsche Texte, das kann man anregen oder vormachen - aber nicht erzwingen!
Um die deutsche Medienlandschaft vom Imperialismus der Musikkonzerne zu
befreien, wäre eine Radio-Quote für Konzern-unabhängig
vertriebene Musik viel sinnvoller als eine Deutschquote:
Damit könnte man Musikjournalisten motivieren, neue Trends und Sounds
nicht in den Hochglanzbroschüren von Universal, Sony
& Co zu suchen, sondern in der Musikszene vor Ort. Das
nützt dem lokalen und regionalen Musikleben und stärkt die Kultur
von unten.
Auch müssten deutsche Musiker weniger um ihre Major-Plattenverträge
bangen, wenn sie dank Independent-Quote auch ohne Konzernhilfe
die Aufmerksamkeit der Medien gewännen.
Eine solche Quote würde ich versuchsweise befürworten. Ohne
allerdings die Skepsis fahren zu lassen:
Am musikalischen Einerlei in den Medien ist das Volk schuld! 90% der Deutschen
dienen Radio & TV als Medium für Hintergrund-Gedudel. Die schalten
um, wenn Musik läuft, wo man zuhören muss!
So long!
Holger
4. Manfred Schwanbeck
Eintrag 269 vom 17.08.2004, 09:29
Herkunft: Kiel
Ich denke auch, es dürfen vor allem zwei Dinge nicht vermischt werden:
DEUTSCHE Produktionen und deutschSPRACHIGE Veröffentlichungen. Die
von mir im vorherigen Beitrag genannten Fakten beziehen sich auf den zuerst
genannten Aspekt. Und der ist ja zunächst einmal entscheidend, zumal
er der umfassende ist. Er wird auch derjenige sein, der Frank Dostal am
Herzen liegt.
Allerdings muss ich hierzu gleichzeitig anmerken, dass mir die Position
der Major Companies bezogen auf ein notwendiges Gesundschrumpfen in Deutschland
teilweise sogar einleuchtet. Und zwar nicht aus Prinzip, sondern aus den
Erfahrungen der letzten Jahre heraus. In Deutschland tickte die
Uhr nämlich wirklich extrem anders, als im Rest der Welt!
Ein (zu) großer Teil der deutschen Produktionen bestand aus Coverversionen
alten Materials, das als Techno- oder Hip Hop/Rap-Remakes auf den Markt
gebracht wurde und in vielen Fällen ein katastrophales Niveau besaß.
Die Radio-Sender, die meine Kiddies hören, klingen wie Oldiesender,
die sich auf die Ausstrahlung von Karaoke-Aufnahmen spezialisiert haben.
Diese Sau ist in allen anderen Ländern längst durchs
Dorf geritten.
In Deutschland manifestierte sich das aber regelrecht und hatte zwei entscheidende
Konsequenzen: Die Produkte waren immer mehr nur noch für den Teen-Bereich
interessant; - dieser neigte aber eher zum kostenlosen Download, als zum
kostspieligen Erwerb im Plattenladen. Und die Charts (vor allem die Single-Hitparaden)
bevölkerten Interpreten und Soundprojekte, die man 4 Wochen zuvor
noch nicht kannte, aber 4 Wochen später bereits wieder vergessen
hatte. Es gab also keine wirkliche Suche und Förderung von und nach
Talenten, - vor allem bezogen auf das Songwriting.
Die deutschen Segmente der Major Companies verabsäumten es auf diese
Weise, wirkliche neue Marken zu schaffen, die über Jahre Bestand
haben könnten, - ein elementarer Fehler, der nun zur Folge hat, dass
die Produzenten dieses ganzen Bullshit massenweise aus ihren Plattenverträgen
entlassen werden und auch die dafür verantwortlichen Manager bei
den Labels gehen müssen. Stein von BMG ist nur ein Beispiel. Denn
man hat natürlich erkannt, dass die Art und Weise, in der die Casting-Shows
in Deutschland durchgezogen wurden, dieses Problem nicht beheben, sondern
nur eine Variante der One-Hit-Wonder-Strategie darstellte, die die Techno-
und Hip Hop-Szene vorgemacht hatte. Sie orientierten zudem auch nur auf
die gleiche Klientel.
Die neueste Entwicklung kann also durchaus eine positive sein, wenn wirklich
gesund geschrumpft wird und mit Mühe und Aufwand künftig echte
Marken geduldig über die Jahre aufgebaut werden, was die Majors propagieren.
Als Problem für die deutschen Künstler wird sich allerdings
erweisen, dass ihre Chefetagen sich nunmehr in Übersee befinden und
diese vor allem ein Interesse haben, die eigenen Einkäufe
zu vermarkten bzw. das in diese investierte Geld wieder herein zu holen.
Auch für den deutschen Musikmarkt gilt nämlich: Wer zu spät
kommt, den bestraft das Leben!
Viele Grüße
Manfred
5. Manfred Schwanbeck
Eintrag 270 vom 17.08.2004, 15:03
Herkunft: Kiel
Noch eine Bemerkung zum Vorschlag einer konzernunabhängigen
Quote bei den Sendern. Diese Forderung halte ich für äußerst
naiv! Wenn man die Abhängigkeiten der Play-Listen privater wie öffentlich-rechtlicher
Sender von den Konzernen durch Werbung und Bemusterung realistisch beurteilt,
ist auf diesem Wege und dort keine ernsthafte Kehrtwendung zu erwarten.
Da sollte man die Mechanismen des Imperialismus und die sich daraus ergebenden
Zusammenhänge und Abhängigkeiten keinesfalls unterschätzen.
Ich könnte mir viel eher vorstellen, dass man (ausgehend von den
Künstlern selbst und unterstützt durch eine entsprechende Hörerschaft,
die man aber realistischerweise zahlenmäßig zunächst nicht
zu hoch ansetzen sollte) eigene/neue Medien/Angebote aufbauen müsste,
die sich der Allmacht der Musikkonzerne von vorn herein konsequent widersetzen
und über ein qualitativ hochwertiges Alternativ-Programm ihre Anhänger
(zunehmend) finden. Die Nischenerfolge von Speziallabels, die sich auf
liebevolle Widerveröffentlichungen von 50er- bis 70er-Material verlegt
haben oder Weltmusik vertreiben und so den Reflex auf gesampelte (na,
sagen wir mal: minderwertige) Klangteppiche bedienen, geben zumindest
Anlass zu der Hoffnung, dass es ein Publikum jenseits des Einheitsbreis
gibt mit dem wir tagtäglich beschallt werden.
Viele Grüße
Manfred
Kommentar vom 17.08.2004, 17:38:
... es gibt ja schon jetzt gewisse Nischensender oder Internetradios,
die eine bestimmte Klientel erfolgreich und auf hohem Niveau bedienen,
jedoch bei niedriger Einschaltquote im Vergleich zu anderen Sendern. Wer
hat den Mut und damit das unternehmerische Risiko, mit entsprechendem
Promotionaufwand einen deutschlandweit aktiven Sender zu installieren,
zu unterhalten und, ja mit was, wohl mit Werbung zu finanzieren? Ich glaube
immer noch, dass es Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
ist, ohne Werbezwänge aus bestimmten Kreisen die vorhandene Kundschaft
für Musik abseits ausgelutschter Pfade zu begeistern. Ich glaube
immer noch an eine relativ große schweigende Minderheit mit einem
gutem Musikgeschmack ... Vielleicht könnte dies in das Anliegen der
Musiker mit einfließen.
Gruß, Gerd!
6. Gerd Müller
Eintrag 271 vom 19.08.2004, 07:17
Es passt gut in die momentane Diskussion, was der Deutsche Musikrat, der
Spitzenverband des deutschen Musiklebens, gestern publizierte:
"Deutscher Musikrat fordert Weiterentwicklung von Hörfunk-Formaten
und Sendestrategien - vom 18.08.2004, 09:14
Mit einer Forderung nach weitergehenden Reformen des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks insbesondere im Bereich anspruchsvollen Kulturradios hat sich
der Deutsche Musikrat erneut in die Diskussion um Gebührenerhöhungen
und Hörfunk-Programmreformen eingeschaltet. Der Deutsche Musikrat
mit Sitz in Berlin und Bonn vertritt als einer der größten
Dachverbände in Deutschland rund 8 Millionen Mitglieder aus den Bereichen
Profi- und Laienmusik, musikalische Bildung und Musikwirtschaft.
Übergeordnetes Ziel, so der Deutsche Musikrat, müsse es sein,
musikalische Vielfalt in den Kulturradios deutscher Sender verstärkt
zu fördern und durch eine breitere Auswahl von Musikangeboten insbesondere
auch jüngere Menschen für Kulturprogramme zu gewinnen. Hintergrund
der Forderung ist die Befürchtung, dass die Diskussion um Einschaltquoten
auch vor den Kulturkanälen nicht halt mache. Bereits heute ist der
Bevölkerungsanteil, der mit den Kultur- und Informationsangeboten
des öffentlich-rechtlichen Hörfunks erreicht wird, mit 7% äußerst
gering. Der Deutsche Musikrat befürchtet eine fortschreitende Veralterung
der Hörer anspruchsvoller Hörfunkprogramme; deren Altersdurchschnitt
heute bei 55 Jahren liegt, während gleichzeitig immer weniger jüngere
Hörerschichten von den Kulturkanälen erreicht werden. Um jüngere
Menschen an das Kulturradio heranzuführen, sei der Versuch zu beobachten,
Kulturkanäle verstärkt zum Begleitradio zu entwickeln. Man entferne
sich dadurch aber von anspruchsvollen musikalischen Konzepten mit der
Gefahr einer qualitativen Verflachung bis hin zur Beliebigkeit. Kein Wunder
also, wenn sich kulturell anspruchsvolle Hörerkreise enttäuscht
abwendeten und den Kulturkanälen verloren gingen.
Dieser Entwicklung, mit der sich öffentlich-rechtliches Kulturradio
verstärkt kommerziellen Gesichtspunkten unterzuordnen droht, kann
nach Meinung des Deutschen Musikrates sowie der Landesmusikräte der
Bundesländer nur durch eine verstärkte Entwicklung anspruchsvoller
musikalischer Kulturformate entgegengewirkt werden. Eine Verflachung eines
anspruchsvollen Kulturangebotes stelle im übrigen auch eine nicht
zu unterschätzende Gefährdung für das gebührenfinanzierte
Rundfunksystem in Deutschland mit seinen rd. 7 Mrd. Gebühren dar.
Eine Selbsterneuerung von Kulturradio-Sendungen im Sinne einer hohen Qualität
sorge dagegen gerade in kulturbewußten und politisch interessierten
Hörerkreisen für Akzeptanz und Unterstützung für das
System öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten.
Angesichts der rd. 35 Mio Menschen, die täglich mind. ein ARD-Radioprogramm
einschalten, erreiche man neue und vor allem junge Hörerkreise für
ein Kulturradio nur, indem man sich um die Erschließung und Anbindung
neuer Hörerkreise bemühe. Institutionelle Medienpartnerschaften
mit musikalischen Einrichtungen, Musik der Verbände und Vereine,
Musik der freien Kulturszene, aber auch mehr Musik für Kinder und
Jugendliche, aktive Wahrnehmung und Beteiligung an Wettbewerben wie Jugend
Musiziert, den Deutschen Chor- und Orchesterwettbewerben, cross-over-Programme
aber auch der Ausbau reiner Musikspartenprogramme sind nach Ansicht des
Deutschen Musikrates gangbare und erfolgsversprechende Wege, neue Hörerschichten
zu gewinnen und die Musikszene des jeweiligen Sendegebietes von Kulturradios
zu unterstützen. Auch die Entwicklung und Durchführung eigener
Wettbewerbe von Seiten der Rundfunkanstalten könnten in diesem Zusammenhang
gute Erfolge zeitigen.
Der Deutsche Musikrat weiß sich mit seinen Forderungen in guter
Gesellschaft: nach einer Emnid Untersuchung und Erkenntnissen der
Arbeitsgemeinschaft Media Analyse sind über 77% der Befragten unzufrieden
mit einer zu kleinen Titelauswahl öffentlich-rechtlicher Hörfunksender,
über 62% möchten mehr Musik mit deutschen Titeln hören.
Diese Zahlen reflektieren auch die Tatsache, dass öffentlich-rechtliche
Sender kaum noch neue Musik spielen; der Neuheitenanteil liegt bei nur
knapp 15%, bei deutschsprachigen Neuheiten sogar nur bei 1,2%. Der Auslandsanteil
gemessen an Sendeminuten liegt dagegen bei 70%. Da über 80% der Bevölkerung
täglich mehr als 4 Stunden Radio hören, liegen differenziertere
Programmangebote andererseits nahe.
Der Deutsche Musikrat und die ihm angeschlossenen Landesmusikräte,
die in den Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
tätig sind, beobachten Veränderungen der Hörfunklandschaft
und speziell die Entwicklung der Kulturradio-Wellen seit geraumer Zeit
und wollen deren Entwicklung auch weiterhin engagiert begleiten. In Gesprächen
mit Hörfunkdirektoren wird in den kommenden Monaten verstärkt
darauf gedrängt werden, dass die in den Rundfunkstaatsverträgen
gebotene kulturelle Vielfalt und Qualität auch im musikalischen Bereich
erhalten bleibt und eher aus- statt abgebaut wird."
Viele Grüße an alle, Gerd
P.S.:
Hier der Link zur Website des Deutschen Musikrates:
http://www.musikrat.de/relaunch/index.html
Ein weiteres Diskussionsforum mit dieser Materie habe ich entdeckt:
www.aussensaiter.de.
Mehr
...

Wer wissen möchte, wie sich heute Frank Dostal als Aufsichtsrat
bei der GEMA für die Musiker engagiert, folge diesem Link.
Es ist auch eine Biografie enthalten.
Mehr
...
und
Hier
...
aktualisiert: 20.08/11.09./08.10./24.12.2004
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