60 Jahre und zu leise - Wolfgang Scheffler (Lift) 14.01.2010)
Warum sitzen sie zu Hundertausenden vor der Glotze, wenn uns hypermotivierte und kehlkopfschwangere Pieps-Mutanten im Dutzend von einem süffisant grinsenden Faltengesicht vorgeführt werden? Warum bekreischen weibliche Teenies eine notorisch dümmliche Party-Blondine aus Übersee? Warum so viel Stumpfsinn, so viel Niveaulosigkeit, so wenig Nachdenken und so gar keine ehrlichen Emotionen? WARUM müssen Menschen bewusst so stumpf gemacht werden?
Warum werden Musiker wie CÄSAR, Greiner-Pohl und Bartzsch in überregionalen Medien nur mit einer Randnotiz bedacht und dies auch nur, weil sie sich völlig unnötiger Weise in den Rockerhimmel verabschiedet haben?
Über den heutigen 60. Geburtstag von WOLFGANG „SCHEFFI“ SCHEFFLER wird wahrscheinlich in keinem dieser Medien etwas zu finden sein. Über das WARUM mag ich nicht nachdenken, weil mir vor den möglichen Antworten graut - er lebt noch und einen IM kann ihm keiner andichten.
Mir ist danach, die Erinnerungen an Kompositionen wie „Komm her“, „Nach Süden“, „Sommernacht“ und natürlich die „Meeresfahrt“ und damit an den Komponisten wenigstens noch für eine Weile wach zu halten.
Mich interessieren nicht die kleinen Querelen und Auseinandersetzungen der Vergangenheit, die mitunter bis in die Gegenwart reichen. Mir gefallen die Lieder, weil sie das Lebensgefühl jener Jahre eingefangen und für mein Seelenleben übersetzt haben. Wenn ich sie höre, spüre ich angenehme Erinnerungen von gestern und ich schöpfe Kraft und Energie daraus für das Heute. Das teile ich mit vielen tausend anderen.
WOLFGANG SCHEFFLER war Teil einer lebendigen Rock-Szene, die es so heute nicht mehr gibt. Als Musiker in der Gruppe LIFT war er Teil dieser eingegrenzten Musikantengemeinschaft.
„SCHEFFI“ lebt heute als Komponist und musikalischer Freigeist, wie er sich selbst sieht, in Dresden, nur wenige Minuten von der Elbe entfernt. Mit einem zügigen Fußmarsch von 30 Minuten kann er sein Lieblings-Garten-Lokal gegenüber von Schloß Pillnitz erreichen. Dort hab’ ich ihn getroffen, mit ihm gesprochen, dort konnte er vielleicht auch mal vergessen.
Nimm einen Schluck Deines Lieblingsweines, mein Freund, und denke nicht an diese Zahl. Ich hab’ mich auch nicht mit der Zahl beschäftigt, sondern die Stunden mit Freunden genossen. Das solltest Du auch tun!
Auf diesem Wege gehen herzliche Glückwünsche zum 60. Geburtstag in die Elbestadt an einen, der mir, bei allem Gezerre und Bewerten von „OstRock“, wichtiger ist, als dieser idiotische Superstar-Gau und dumpfe Gummibärchen-Pop. Deine Lieder, lieber Scheffi, sind kleine Geschichten und zu Klang verarbeitetes Gefühl. Dafür sollten wir Dir danken und ein wenig hoffen, dass vielleicht noch einmal eine CD wie „Blue Ballads“ entsteht, denn es ist noch nicht „Am Abend mancher Tage“, die Zeit ist nur eine andere und zu spät ist es immer erst danach.
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